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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Von S... 255 doch diese zu erreichen war nicht leicht, hatte doch schon der Apostel gesagt, ״leichter geht ein Kameel durch ein Nadelohr, als ein reicher in das Himmelreich". Rur ein Mittel gab es dieses zu verschaffen, wenn nämlich der Millionär seine Million dem heiligen Orden vermachte. — Aber der Millionär war Vater, der seine Kinder leidenschaftlich liebte. Wohl gelang es dem edlen Priesier, das Sündhafte dieser maßlosen Liebe dem Kranken vor Augen zu führen, bot doch der lockere Lebenswandel des Sohnes genügend Veranlagung hiezu, doch vergebens strengte er sich an, aus die unschuldsvolle Reinheit der kaum sechzehnjährigen Tochter einen Makel zu werfen. Je mehr es ihm gelang, dem Sohne das Vatcrherz zu entfremden, um so fester klammerte sich dieses an die Tochter, die in ihrer sanften jugendlichen Schönheit, ihrer selbstlosen Hingebung, mit der sie eisrigst strebte, jede Laune des Kranken zu befriedigen, diesem oft ״wie ein Engel des Himmels erschien, und ihm mehr Trost gemähte, als er sich selbst zu gestehen wagte; denn sein Priester hatte ihn gelehrt, daß er, um der ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden, sein Herz losreißen müsse von allem Irdischen, und der schwache Alte fürchtete in der That, daß er auf volle Seligkeit wohl nimmer hoffen dürfe, denn von der Tochter vermochte er sein Herz nicht loszureißen. — Tie Bemühungen des frommen Paters hatten daher nur theilweisen Erfolg, die Kirche wurde allerdings reichlich bedacht, aber die Tochter zur Universalerbin eingesetzt, während dem ungerathenen Sohne, wie er im Testament genannt war, nur ein unbedeutendes Legat, wenige Gulden monatlich benimmt war, die am ersten jedes Monats zu erheben waren, wobei es jedoch ausdrücklich untersagt war, den Betrag mehrerer Monate auf einmal zu verabfolgen. — Zum Vormund des jungen Mädchens war ein Busenfreund des Jesuiten, der Apotheker des Ortes ernannt. Tieß Alles theilte Wenzel seinem Retter mit. Staunend hörte dieser ihm zu. ״Wie?" rief er, ״Sie haben daran denken können sich das Leben zu nehmen, und an Ihre arme verwaiste Schwester, die Sie vollständig, schutzlos zurückgelassen hätten, hatten Sie ganz vergehen?"

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