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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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248 Angel«. Mehrere der christlichen Studenten stimmten ihm bei. Das Streite« und Durcheinanderschrein nahm überhand, vor Allen that sich ein jünger Böhme hervor, er schien wohl ein wenig angestochen zu sein, unermüdlich schimpfte und fluchte er ans die Juden, ergriff endlich eine leere Bierstache und schleuderte sie auf den jungen Mann, der zuerst erklärt hatte, daß er die Beschimpfung des Profesiors nicht dulden werde; dieser wich jedoch zur Seite und die Masche verfehlte ihr Ziel. Der Böhme wollte sich nun selbst auf seinen Gegner stürzen, doch einige der Befferen hielten ihn zurück. Seine wahnsinnige Wuth wuchs hiedurch nur noch mehr; er höhnte und überhäufte den Andern mit den gemeinsten Schimpfteden, spie vor ihm aus, und -da er noch immer nicht auf ihn zu kormte, so förderte er ihn endlich, indem er hinzufügte, daß nach allen den Beleidigungen, die er ihm zugewiesen, der Jude eigentlich ihn hätte Fordern müsien, da dieser jedoch wohl aus Feigheit es unterlaffen, so schleuderte er ihm jetzt eine Herausforderung zu. Dunkle Gluth ergoß sich Mer das intelligente Antlitz des jüdischen Jünglings, unwillkürlich zuckte seine Hand, als wolle sie die Waffe fasten, die er wohl zu führen verstand, aber er bezwang sich und erwiederte mit möglichster Ruhe, daß er die Forderung zurückweisen müste, da seine Religion ihm verbiete, sowohl sein Leben, als das Leben eines Andern muthwilliger Weise auf's Spiel zu setzen. Nun aber brach der Sturm erst noch ärger los. Jud! Jud! elender Feigling! scholl es von allen Seiten. Selbst seine Freunde suchten ihm zuzureden, ihm begreiflich zu machen, daß seine religiösen Strupel übertrieben, und daß ja kein wackerer Student sich ferner mit ihm zeigen könne, wenn er so sich Preis gebe. Ein schwerer Kampf malte sich in den Zügen des jungen Mannes; seine Augen blitzten, mühsam hob sich seine Brust, denn heißes Blut floß in seinen Adern, aber sein besteres Selbst blieb Sieger, er verharrte bei seiner Weigerung. Seine Freunde zogen sich achselzuckend von ihm zurück, aber der Böhme höhnte fort und fort ״Hei!" schrie er ״Schmul kann kein Pulver riechen!" Ein schallendes Gelächter seiner wilden Genoffen lohnten diesen schönen Witz. ״Und was das für eine Religion sein muH" fuhr er übermüthig fort ״die ihren Bekennern es ver-

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