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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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Sott €>.». 247 nothwendige reine Luft zum Athmen rauben. Sie werden daher —" Ein halblautes Murmeln durchlief die jugendliche Versammlung; hin und wieder lies sich sogar ein leises Zischen vernehmen und der höhnende Ruf Jud! Jud! Eine leichte Rothe überzog das Antlitz des greisen Lehrers. ״Ich sehe zu meinem Bedauern, daß ich mißverstanden worden. Wenn ich mich veranlaßt fand. Sie, meine Herren aufmerksam zu machen, daß Sie in Ihrem künftigen Beruf vorzüglich bei Ihren israelitischen Patienten für die ungestörte Ruhe derselben zu sorgen haben werden, so lag es dennoch durchaus nicht in meiner Absicht, unseren israelitischen Mitbürgern hiedurch einen Vorwurf machen zu wollen. Im Gegentheil, ist es ja gerade den Folgen der tiefsten Familieninnigkeit und Freundschaft, denen entgegen zu treten ich Sie aufgesordert. Ja meine Herren, wohl sind wir mit Recht stolz darauf daß unsere Religion es war, die die heidnischen Völker Menschlichkeit und Nächstenliebe gelehrt; aber wie die Israeliten diese höchsten Tugenden üben, davon hat man in unfern Kreisen kaum einen Begriff; nur dem Arzt ist es zuweilen vergönnt, Zeuge der opferfreudigsten Hingebung zu sein, die die Israeliten den Unglücklichen weihen." Das höhnende Geflüster der jungen Leute war verstummt, doch nur in Gegenwart des allerverehrten Lehrers. Als sie jedoch am Abend beim Glase Bier zusammen waren, da sprachen einige unverholen ihr Mißfallen aus über die heutigen Aeußerungen des Professors. Andere wollten sie vertheidigen, wodurch sie jedoch die Ersteren nur mehr und mehr erbitterten. Es sei eine Schmach, daß ein christlicher Lehrer die eigne Religion so herabsetze, daß er die verfluchten Juden quasi als Muster ailfzustellen sich bemühe u. dgl. m. Auch einige jüdische Studenten waren anwesend, verhielten sich jedoch bis jetzt bei allem diesem schweigend. Als aber der Gerstensaft die jugendlichen Gemüther noch mehr erregte, und die über den Profesior Unzusriedenelt die Absicht äußerten, diesem durch eine׳ Katzenmusik ihr Mißtrauensvotum darzubringen, da sprang ein junger dunkeläugiger Mann auf und erklärte ihnen, daß er das nicht dulden und ihr Vorhaben zu vereiteln wißen werde.

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