Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Gin Vortrag von Adolf /kohut. 243 Me für die Bibel, hatte Herder auch für die rabbinische Literatur eine Hochachtung und Verehrung, wie man sie sonst bei keirrem^Gelehrten des vorigen Jahrhunderts, die den Talmud, die Mdraschim und das Judenlhum überhaupt nur aus Schudt, Eisen- -»enger und Consorten kannten, antrifft. Aus den herrlichen Parabeln, Allegorien, Legenden und prachtvollen Gcdankenblumen, die im Talmud, Midrasch und dem jüdischen Schriftthume in großer Fülle enthalten find, sticht er einen lieblich duftenden Myrthenkrmrz, dem er den Titel gab: ״Blätter der Vorzeit", worin die schönsten Parabeln, die die deutsche Literatur überhaupt aufzuweisen hat, vorhandm sind. Es ist übrigens ganz natürlich, daß H. in der Parabeldichtung, wo um den nackten philosophischen Gedanken das liebliche Gewand der Poesie geworfen wird, Großes leisten mußte, da diese Dichtungsart mit seiner eigenen poetisch-philosophischen Individualität außerordentlich harmonirte. Wenn das Hauptmerkmal des Genius die Wahrheit ist, so war H. eines der größten Genies, die je gelebt haben; ihm war die Wiffenschast — um ein geistreiches Wort Baco's zu gebrauchen — kein Thurm, von dem man hochmüthig hcrabschauen oder eine Burg, worin man streiten kann, oder eine Werkstatt und Bude, worN man handwerkt, verkauft, verdient. Nein! sie war ihm die reiche Schatzkammer, das große Rüsthaus Gottes zu seiner Ehre und der Menschen Wohlfahrt. Daher kam es, daß er auch den zu seinen Zeiten verspotteten, verhetzten und begeiferten großen Männern des Judenthums, den Rabbinen, so wie auch ihren Verdiensten, die sie sich um die biblische Schriftauslegung, die Wiffenschast und Erhaltang der jüdischen heiligen Lehre überhaupt erworben, volle Gerechtigkeit angedeihen ließ; er gestand es unumwunden, daß die Uhaltung der heil. Schriften den Rabbinen zu verdanken sei, da sie durch die mühevollste rmd sorgsamste Aufbewahrung der Maßora allen Fälschungen und Eorruptionen des^Textes, denen im Laufe der sinKeren Jahrhunderte so viele treffliche Bücher ausgesetzt waren, schon von vorneherein vorbeugten. Was die Maßora betrifft, so hwiß n von chr Nicht genug Worte des Lobes zu sagen. ״Was" srägt er mit Recht ״wäre aus der Bibel in den finsteren Zeiten k» Mittelalters, der Muth des Aberglaubens, der frechen und