Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Vortrag von Adolf Aohut. 241 Alter an ihm außerordentlichen Gefchmack gefunden, und darauf zu* letzt gleichsam ihre Lebensphilosophie reducnt habe». Was für allgemeine, historisch philosophische Weisheit im Prediger sei, ist noch nicht dargestellet, «te sich's gebührte. Wenige Worte in ihm find das Resultat großer Bücher, Lebensläufe und Welt- Perioden, und wahrlich sind's, wie das Ende des Buches rühmt, lieblich« Worte der Rechtschaffenheit und Wahrheit, Stacheln und Nägeln in die Seele." Für die Erklärung des hohen Liedes war Herder geradezu bahnbrechend. ,Ueber kein Buch des alten Testament- — sagt Herder, ״hat man so viele falsche Ansichten verbreitet, wie über das Hohr Lied. Dem großen Dosieret ein Hochzeitslied Solomons in sieben Togen; ein noch glücklicherer Ausleger verneinte dies, u. s. w. Gr dichtete ein« glückliche Hypothese von einem Eheliede, voll orientalischer Liebesranke, intrigiies d’amour, Eifersacht, Brunst, Zank, Begier «ach einer Nacht, wie sie zwar nicht bei uns, in unfern leider! einpaarigen Ehen, aber desto mehr in jenen, morgrnländffchen Harems statt finde; und feine Verehrer nannten dies di« deutlichste, wahvschemlichste Hypothese, die «re dem heutigen, berühmtesten deutschen Ausleger für dies dunkle Buch zu erfinden, ausbehalten gewesen; eine Hypothese, die eine so wichtige moralische Ansicht entdecke, die Niemand mit Gründe für eines biblischen Buchs unanständig halten könne- (?!) Ein angesehener GotteSgelehrter folgte jenem berü h mtesten deutschen Ausleger tmf dis Spur nach, nahm in Ansehung der Sulamith eine neue Hypothese an, war auch in Anwendung derselben so glücklich, daß der Erfinder des buchstäblichen und moralischen Sinnes ihm mit einer freundschaftlicken Verlangnung und Großmuth, die unter Schriftstellern nur selten ein Beispiel haben wird, die Ehre der Erfindung des Ganzen gleichsam aufdrang u. s. w." — ״Manche haben das Buch aus ihrem Kanon ruhig aus geschlossen, verbitten es vornehm höflich, daß der ״berühmteste" deutsche Uebersetzer es ja nicht deutsch übersche und seine Bibel damit verunziere. Ja, mehr als Einer hat Anlaß genommen, aus Gelegenheit dieses Buches über das Ganze des Kanons Erbrechungen zu sagen, die zu wiederholen mich die Muse bewahre."-Solch falschen, ab,urden. größtentheils urkomischen Ansichten gegenüber erscheint die Auffassung Herders