Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Die Verdienste Herders um die Juden re. vorigen Jahrhunderts, als Herder deren radikale Heilung unternommen. Wird in unseren Tagen nicht ein ungeheurer Fleiß, immense Gelehrsamkeit und oft ein bedeutender Scharfsinn angewendet, um zuerst die einfachsten und klarsten Ausdrücke und Gedanken der heil. Schrift zu verwirren und zu verdrehen? Wird nicht dann ein ganzes Korps der subtilsten — oft mit kantischer und hegel'scher Dialektik gewürzten — Distinktionen und Spitzfindigkeiten aufgeboten, um die so meisterhaft vollbrachten Verwickelungen des gor- Irischen Knotens noch unentwirrbarer zu machen? Und wird nicht schließlich, um dem Werke die Krone aufzusctzen, die ganze Mobilgcnde der ungeheuerlichsten Hypothesen, Conjekturen, Illustrationen, Disquisitionen, Interpretationen, Explamationen zu Hülfe' gerufen, um zu beweisen, daß die Sache doch auszugleichen wäre? — Wer vielleicht dies Urtheil für ungerecht findet, der schlage ein beliebiges Werk von einem beliebigen Autor der ״exegetisch kritischen" schule auf, und er wird dann sicherlich mit unserer Ansicht überempimmen. Wird nicht in diesen Büchern mit der größten Arroganz und unter dem Deckmantel einer colossalen Gelehrsamkeit behauptet, daß der ganze Pentatuch im babylonischen Exil verfaßt wurde? Wird hier nicht von je re m ia n i sche n, makkabäischer! Psalmen gesprochen? Wird nicht der große Jesajas, drffen Prophetien vom Odem eines großen Geistes belebt find, zu einer Blumenlese verschiedener Prophetien herabgewürdigt? Leugnet die ״historisch-kritische" Schule nicht die Offenbarung? Macht sie nicht die von Gottes Geist inspirirten Propheten zu bloßen Dichtern oder Dichterlingen, die an die Größe eines Horaz, Juvenal, Persius oder — wenn's gut geht — eines Homer und Virgil heranreichen? Das Meisterwerk der modernen jüdischen Häresie, der tract&tus Spinoz a's, ist in unser e u Tagen von den getauften und noch nicht getauften Exegeten — deren Zahl Legion ist — schon längst überbvten und in den Hintergrund gestellt worden. ״Wenn wir jetzt", sagt ein Manu, der in früheren Jahren selbst dieser Schule als Fahnenträger voranging, ״die Resultate der historisch-kritischen Schule überblicken, so kann man nicht verkennen, daß für zwei, drei sichere und unzweifelhafte (?) Erfolge sie uns Ln eine namenlose Verwirrung gestürzt, und keinen