Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Vortrag von Adolf Kohut. 231 planen, kindlich poetischen, unphilosophffcheu, abftraktkonslosen Sprache" sagt Herder — von seinem Standpunkt — in den ״Briefen das Studium der Theologie betreffend" Theil 1. S. 19 ff.*) ״lesen wir das alte Testament;**) aus diesem Gesichtspunkte, a!:ch was den Geist des Inhalts betrifft,!affen Sie sich nicht treiben. Werren Sie mit ihren Hirten ein Hirt, mit einem Volke des Ackerbaues ein Landmann, mit uralten Morgenländern ein Morgenländer, wenn Eie diese Schriften in der Luft ihres Ursprungs genießen wollen, und hüten Sie sich insonderheit, so wie vor Abstraktionen dumpfer, moderner Schulkerker, so noch mehr vor sogenannten Schönheiten, die aus unfern Kreisen der Gesellschaft jenen heiligen Urbildern des höchsten Alterthums aufgezwungen und aufgedrungen werden. — Jetzt leben wir insonderheit im Zeitalter der Eleganz, der Almanachblüthen, mit denen denn auch Moses, David und Salomo überstreuet werden, wie sehr sie es auch verbitten möchten. Dieser Psalm wird Dde, jener eine Elegie nach neuerem Schnitt; Moses und die Propheten werden heroische Lehrdichter, und oft wird die Sache so behandelt, als ob ׳diese heilige» Männer ihre Stücke zu Batteux Einleitung oder in eine Dlumenlese gemacht hatten. Ein vermodertes Florilegium aus Römern und Griechen wird dazu geschüttet; und nun ist der Autor, wenn er noch überdem viel von Varianten und Uebersetzungen geschwatzt hat, über die papierne Krone :es Zeitungslobes sicher. Ich bin ke.n Feind schöner Stellen m.d Aehnlichkeiten, wie und woher sie sich finden mögen; sowie aber ein schönes Urbild, zumal wenn Einfalt und nokhgedrur.gene Wahrheit seine schönste Zierde ist, mehr verliert als gewinnet, wenn es Lurch übertünchte, oft garstig geschmückte und meistens ganz unpaffende Nachbilder späterer Zeiten und Kunflvölker erst Licht, *) Nach der von Joh. G. Müller (Ltuitgart und Tübingen, I. G. Totta'tche Buchbandel 1829) beloraten'-Nusgabe Herdes in 60 Bünden. **) Ter Ausdruck: ״Altes Testament" ist bekanntlich von christlichen Exegetm erfunden, um damit den Gegenlatz zum ״Neuen Testament" auszudrücken. Unsere modernen Exegeten von der,,historisch-kritischen" Schule schiert dies aber nicht im Geringsten, denn sie gebrauchen diese Bezeichnung sslis ßtzoe, ohne zu bedenken, welche Blasphemie sie durch einen solchen llusdruck gegen die jüdische Wahrheit begehen!