Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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230 ■u 1 vt I Die Verdienste Herd-rs um die Zuden rc. er hingegen nahm die großen Ströme, aber aller Wissenschaften in sein himmelspiegelndes Meer auf, das ihnen aufgelöst seine Bewegung von Abend nach Osten aufdrang. Viele werden von der Gelehrsamkeit umschlungen wie von einem austrocknenden Epheu, er aber wie von einer Traubenrebe." Ja, Herder war es, der in Deutschland zuerst mit der ganzen Gluth seiner großen Seele auf das Charakteristische, Herrliche, Ewiggültige und Ewigschöne der heiligen Schriften die Blicke Europas richtete; Herder war es, der zuerst der Menschheit r״cht eigentlich aä ooulos demonstrirte, daß in der Bibel eine tausendjährige lebendige, wundervolle Poesie wehe: eine Poesie, die Nichts gemein hat mit dem oft stümperhaftem Dersegeklingel der Modernen, sondern die in ihrer Ursprunglichen Großheit den Menschen weit über das Irdische erhebt, Ln seinem Herzen die Fackel der göttlichen Erkenntniß und eines echten, von sinnlichen Leidenschaften und Lüsten freien Meuschenthums entzündet! Ein unermeßliches, nicht geahntes Reich der Poesie, hervorgezaubert durch das Genie Herders, enthüllte sich urplötzlich den erstaunten Blicken Europas. Die seichte rationalistische Schule in der Exegese, die zu jener Zeit unter Führung der großen ״Auf« geklarten" Diichaelis und Sewler ihre Jougleurküuste gar lustig trieb, wie v:ußte sie erzittern, als das poetische, kernige, durch Herders markige Sprache in seiner ganzen Tiefe und Klarheit hervortretenke, göttliche Wort in ihrer Mitte erklang! In den ״Briefen das Studium d^r Tdeolozie betreffend", in der ״ältesten Urkunde des Menschengeschlechts", besor:rers aber in dem Meisterwerke: ״Geist-der ebräischen Poesie" begann Herder seinen Kamps gegen den theologischen *und ex genschen Schlendrian seiner Zett, und er that dies mit eimr solchen Virtuosität, daß die iu den genannten Werken niedergrlegten Ansichten üb:r Bibel, biblische Poesie, Genius des Orients rc. babnbrechend waren für das Studium der» orientalischen Sprachen im Allgemeinen und für Las richtige Verständniß der heil. Schriften in Besonderem. Die Regeln und Grundsatze, die H. in Bezug auf biblische Exegese und Hermen eutik ausspricht, sind der Art, daß sie auch unserer Zeit, wo sich die s. g. ״bistonsch-kritifche" Schule der Herren Ewald, Ols- Hausen, Lemgerke, Hitzig, Hupfeld, Frankel, iHrätz, Philippson und Consorten breitmacht, gar sehr zu empfehlen wären. ״In der alten,