Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon Dr. Samuel A. Hirsch. 22S Er wird seines Vaters Haupt mit Schande bedecken — was liegt ihm an seinem Vater?. Nein, laß mich gehn. Du wirst mir gewiß erklären, wieso Erfahrung und Verstand es rechtfertigen sich selbst Vater und Geschwistern vorzuziehn, ich würde es doch uicht verstehen. Laß mich mein Werk vollenden auch ohne Dich. Wenn ihr weisen Männer zu klug seid — gebe Gott, daß es nie an einem Weibe fehle, das zu thun und zu dulden bereit ist. — Gute Nacht." Ter Vetter wird überredet, er begiebt sich am andern Tage mit dem Geheimen Rath zu der Schauspielerin, wo sie den verführten Jüngling schon antreffen. Ter Rath unterhält sich leise mit seinem Bruder; er sucht ihn von seinem Verderblichen Vorsätze abzubringen. Er kann ja aus Erfahrung sprechen, ihm hatte die Täuschung bei äußerlicher Ehre nur wirkliches Unglück gebracht; es schien Alles vergebliche Mühe. Da tritt plötzlich der Vater herein; er muß die heimliche Entfernung seines Sohnes erfahren haben. Nun giebt es eine Scene, welche von wahrhaft großartiger Wirkung ist. Der Rabbi redet seinen Benjamin an mit einer Liebe, mit einer Zärtlichkeit, aber zugleich mit einer Würde und einer Festigkeit, wie wir es von einem Manne wie unser Rabbi erwarten. Keine Spur von Nachgeben. ״Morgen, spricht er, und übermorgen werde ich allein sein, mein Mädchen wird dem Manne folgen, und das Haus veröden. Tann werde ich sitzen, und beim Smdiren wird mir das Buch manchmal aus der Hand sinken, ich werde sprechen, aber mein Cbr wird die Worte nicht bören, denn meine Seele wird bei dem Sohne sein — dann werde ich mir seine Rede wiederholen, feine Miene, jede Bewegung und werde sagen: Er bat dich doch geliebt." Ta tritt v'.ötzlicb der älteste Sohn hervor, giebt sich dem Barer zu erkennen und spricht: ״Sag mir, daß Tu mich nicht ganz und gar verworren hast, daß ein von Reue Muffen es Dasein eine Buße sein mag für meine Sünde — eine Vuße, die mir freilich sehr leicht wird, denn der Ewige hat mir all den Tand, um den ich ihn verkaufte, in Trümmer geschlagen. Sprich, bin ich ganz verworfen?" — ״Wer ist verworfen, antwortet der Vater, vor dem Throne des Allerbarmers! SO, meine Kinder, warum laßt Ihr Euch betböreu und flieht die Wege Gottes Eurer Väter, der Euch zum Segen auf diese Welt berufen bat? Aber er folgt Euch nach und laßt Euch uicht und spät holt er Euch dennoch