Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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m Jüdische Familrenpapiere 1c. des Btudrrs einzige«'Sohn-Benjamin in ihre Netze gelockt hat, Mwder Tochter des- Rabbi. 'Aber wie verschieden find, nach allen Setten HM׳ verschieden find diese beiden Frauen! Uns scheint die GchiL-kung der Kachel in^WLefem Buche die gelungenste. Klugheit mit Bescheidenheit ( Bildung des Verstandes mit Bildung des Herzens find hier harmonisch vereinigt; man steht hier, aus welcher Anschauung, aus welcher Erziehung jene jüdischen Heroinen des Mittelalterhervorgezangen find, welche mit eigner Hand ihre Kmder opfern, damit die Keime des Jndenthums, welche sie in die jungen Seelen gelegt hatten, nur mit dem Leben die Kinder verlassen sollten. Welche Thatkraft, welchen Muth, welche Entschlossenheit zeigt diese schwache Person, als es galt ihren Bruder von dem heillosen Schritte zurückzuhalte«, Ehre, Lebensglück, seinen alten Vater, seine Schwester, und, was gewiß folgen würde, seine Religion zu verlassen, um einer SchMspielerin zu folgen! Mit richtiger Würdigung der ganzen Gefahr denkt sie sofort an die richtigen Mittel diese Gefahr abzuwenden. Sie erinnert sich des verstoßenen Bruders, der ״ein geheimer Rath oder sonst etwas Großes" war, und nur dieser konnte im kritischen Mornente helfen. Sie begiebt sich zu ihrem Detter SamUel, um diesen aufzusordern, den altern Bruder zu besuchen und dessen Hülfe anzurufen, um den unglücklichen Jüngling ״sei es auch mit Hülse der Polizei von jenem Weibe zu trennen, ihn vielleichr auf Reisen zu schicken, vor Allem seine Pläne zu kreuzen." Der Vetter sträubt sich, er will nicht zu diesem Aeußersten zu schreiten. Der kleine Zwang, sagt das Mädchen, erscheint Dir vom Nebel, sein ewiges Unglück willst Du ruhig abwarten." Und als darauf der Vetter, frivol genug, erwiedert: ״Er wird wohl geradezu in bie Hölle kommen, wenn er vom Judenrhum absäl.t?׳' ist die Anrwort darauf: ״Was weiß ich von der Hölle?" — ״Was will ich, meint etwas nachher" der Vetter, als Deinen Kummer mildern? eben deshalb muß ich von Gewalt abrathen." Aber Rachel antwortet: ״Was liegt an meinem Kummer, Samuel? Nein, laß mich gehen, Du verstehst mich nicht. Was Du sagst, verstehe ich nicht. Ich fühle nur, daß mir das Herz bricht, wenu mein Bruder seinen Gott, -sein Volk, seinen Familie verleugnet. Jetzt erst weiß ich, woran di« selige Mutter gestorben. Den einen Bruder habe ich noch, urid er wird mich tödten. Was liegt ihm an seiner Schwester?