Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Dr. Samuel A. Hirsch 221 |c6c»b vor meine Seele treten? Wahrlich, nur so lebe ich ein wahres Lebe» und ein schönes Leben. Das ist die Erbschaft, die ich meinen Kindern zu vermachen babe. Dies Gebot des Ewigen ßeht mir höher als alle heiße Zärtlichkeit meiner menschlichen Gesuhle. Sieh her — und der Greis stand in großer Bewegung auf und zog mit zitternder Hand den Vorhang von dem Bilde seines Sohnes — sieh her — weißt Du, was es heißt ein Kind: verlieren, Deinen Erstgeborenen, die Stütze Deines Alters sich gegen Dich empören zu sehen? .— ach, ich muß mitdem Dichter sage«, Du hast keine Kinder. Er lebt, Samuel, , aber er soll das ^kngesicht seLms Vaters nicht mehr sehen, er ist hingegangen und dient den Götzen, den Götzen der Lust und der Hotfatzrt. — An dem Lage, da meine Augen brechen, und sie mich hinaustragen, daß ich versammelt werde zu meinen Vätern, an dem Tage werden ich auch dieses Kindes gedenken — dennoch treffe ihu die vergeltende Hand des Ewigen, und, wie er Schande gebracht hat über das Haupt seines Vaters, so wögen seine Erzeugten, Schunde bringen überfein graues Harlpr, und weil e? verrat hen hat die höchste Tugend seines Volkes, soll die Dual des Herzens sein Stubengenoß sein bis an die Stunde seines Todes." (Sogar bis zu einer ganz und gar unjüdischen Verfluchung versteigt sich der Zorn des Vaters.) — ״Es sei denn, er kehre zurück. Smh, Samuel, wir sind irrende Menscheu, weit entfernt unsere heilige Lehre stets zu befolgen, wir sind ein hartnäckiges Volk, eigenwillig und übermüthig im Glücke Aber wir besitzen eine Tugend, die uns als Gerechtigkeit angerechnet wird, das ist die Treue." Auf einen Sinwand des Samuel erwidert der Rabbi (3. 208): ״Hat der Löwe sein Gebiß um Gras zu kauen, und das Schaaf seine Zähne um Knoche» zu zermalmen? Der Ewige hat jedem Wesen seine Bestimmung gesetzt, und die Thiere haben nicht Versiand genug davon übzuweichen. Das Herz des Juden hat er entzündet mit dem Feuer seiner Heiligkeit, die Einigkeit der göttlichen Majrstät ist der Gedanke, durch den das zum Bewußtsein erwachende Kind die Welt anschaut und begrerft Uns hat der Ewige geschafstn, Zeugniß abzulegen von seinem unbegreiflichen Wesen, und zUternd schreitet der Sohn des Staubes den Weg, den Gott ibm vorgezeichnet. Haben wir uns gedrängt wie jene Märtyrer der