Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933206-2933210--11479-2968977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LSS Hitdisthe FamM«pq»iere u. neuen Sekte zu feinem Ruhme zu sterben? Wahrlich, wett hertlicher ist*s z» feinem Ruhme zu leben. Als der scheinheilige Titus Mit seinem eisernen Heere vor der Stadt lag und täglich Hunderte jüdischer Gefangenen an die Kreuze schlagen ließ die heldenmüthigen Bercheidiger zu entnerven, als Ströme Bluts von Belhars Mauern Posse«, auch da hat Juda nicht gewankt — und damals galt es nur das Vaterland. Aber wenn fie unsere Bestimmung antastete«, wenn Pr uns zu ihrem Greuel bekehren wollten, dann standen Mänmr und Weiber, Knaben^und Greise und boten ihren Hals dem Messer, ihre» Leib dem Feuer — und was war ein solches Opfer avDenblicklicher Begeisterung gegen dir tyrannische Unterdrückung rasstvirter Bosheit, der ihr ganzes Leben gehörte? Sie ließen sich zeichnen wie das Vieh und entwürdigen, ihrer Menschenwürde muß» tkn sie vergeffen und in der tausendjährigen Zertretung endlich selbst glauben, daß sie die verworfenen Scheusale wären, als welche ihre Wirthe fie brandmarkte«. — Und ein Wort konnte fie retten. — Aber eine Lüge! Denn der Bekenner der Thora weiß zu sterben, afctt nicht in der Lüge zu leben. Wir sind davon durchdrungen, daß unsere Zder ewig ist, daß unser Volk, ihr Träger, ewig sein muß, nur der Answurf von uns hat den Much gegen den Allerhöchsten zu zeugen. Nicht den Much — den Wahnsinn — denn daß Gefühl des Einzigen, Gerechten ist der Trost unserer Leiden, dir Wonne unserer Freuden, das Leben unseres Lebens. — Abfall von ihm ist Schein, ist Entsetzen, ist Todesqual bei gesunden Glieder». Wir müssen ihm folgen, wir haben feine Wahl; meine heißeste Liebe muß ich ihm opfern, mein Weib, mein Kind und Alles, was mein ist. Alle Sittlichkeit, die gegen die Treue am Ewigen verstößt, wird zur Unsitte, und ich muß sie verstoßen; alle Liebe der Menschen schwindet wie ein Traum, vergänglich wie ein Hauch gegen den erhabnen und eifervollen, gegen den gnadenreichen, er׳ barmenden Gott, der mich von Kindesbeinen an getragen hat alle Tage meines Daseins, der mit mir ist im Wachen, mit mir im Träumen, besten Frieden mein Leben überschattet, um besten Erkmntntß allein ich einst sagen darf: — Ich habe nicht umsonst gelebt. ״Du sagst, das ist Fanatismus. — Sei es Fanatismus an eine Wahrheit zu glauben und an fie zu halten. Ich weiß, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.