Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Don vr. Samuel A. Hirsch. tzlÄ nach Form und Inhalt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen darf. Zunächst was die Form betrifft. Sie wäre im Stande, uns in große Verlegenheit zu stürzen, wenn es darauf ankämr zu destimmen, welcher Literaturgattung dieses Buch deizuzählen wäre. Ein Roman und kein Roman; ein Lehrbuch der Philosophie, oder der Religionsphilosophie, oder der Religion in der Philosophie und doch auch wieder kein Lehrbuch; Dialog und fortschreitende Erzählmtg vermischt, und Allewieder in Briefform; ein Buch zum Amüfiren und zum Lehren; eine Streitschrift ohne irgend welche Bitter- -eit gegen die bestrittene Meinung oder deren Träger, welche freilich keine Streitschrift verunzieren sollte, aber dennoch in den meisten Streitschriften eine der Hauptstellen einnimmt. Zum Glücke sind aber derartige Schriften, namentlich in neuester Zeit, keine seltenen Erscheinungen; man kennt sie und es ist wohl am besten sie zu keiner der gewöhnlichen Gattungen zu zählen; man läßt sie am vernünftigsten sein was sie eben find, Tendenzschriften, Tendenzromane, d. h. Schriften zur Unterhaltung, welche etwas wollen; Schriften zur Belehrung in das Kleid der Unterhaltung gesteckt, deren Verfasser es wobl wissen, daß es leichter ist sich unterhalten zu lassen als etwas Objektives zu lernen, daher die bittere Medizin für die Vernunft mit einem süßen Vehikel *ür die Phantaisie untermischen. Daß bei diesem Proceß die Heilkraft der Medizin nochwendig geschwächt werden muß, daß die süße Zuthat einen bitter« Beigeschmack erhalten wird, ist einleuchtend. Auch wird in solchen Büchern, selbst bei den glänzendsten künstlerischen Talenten des Verfassers, die Kunst größeren Nachtheil davon tragen als die Wissenschaft. Der didaktische Tbeil wird dasselbe enthalten, was der Verfasser, wenn er die streng wissenschaftliche Form gewählt hatte, dem Publikum bieten würde; wäre das Lehrbuch gründlich geworden, so werden auch die im Romane vorgetragenen Lehrsätze an Gründlichkeit und Beweiskraft nichts einbüßen; sind die Gründe im Roman seicht, so sind sie es eben nicht durch den Roman, so sind sie es an sich; will doch der Verfasser Wissenschaft im romantischen Gewände vertragen; und wie sollten an sich seichte Gründe durch ursserischa'lliche Ferm wirkliche Tiefe erlangen können? Nicht so verhält es sich mit dem künstlerischen Theile. Wenn der philo-