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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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214 Jüdische Familienpapiere re. -«trachteten Seite als wahr, als gut darzustellen, um ihn zu überzeugen, daß die Verehrung, welche er ihnen zu widmen fähig sei, tief unter derjenigen steht, welche sie verdienen, daß unsere Liebe zu chnen keine Gegenliebe ist, sondern daß jene zu dieser sich verhalte wie das Menschliche zum Göttlichen. Und nun erst der sittliche Muth, mit einem solchen Werke in heutiger Zeit vor das Forum der Oeffentlichkeit treten zu dürfen; ein Jude, ein frommer Jude, welcher auch öffentlich fromm ist, welcher seine Frömmigkeit den Augen aller Welt bloslegt, seine Frömmigkeit mit Gründen unterstützt, diese Gründe nur auf Resultate der Wiffenschaft, auf erwiesene Thatsachen stützt, vor keiner Frage, vor keinem Einwurf zurückscheut, dem Gegner das Wort giebt, ihn ruhig aussprechen läßt, bei der WiderLeguug sich aq dir realste Objektivität hält, so, mit allen Mitteln der Gelehrsamkeit und des Scharfsinnes ausgerüstet, die Fahne des Judentums, destraditionellen Judenthums schwingt und siegreich aufpsianzt, ist eine Erscheinung, deren jedes Zeitalter nur wenige in ihre Annalen einzutragen hat; die, wo sie am jüdischen Himmel sichtbar ist, von den Zeitgenossen mit Jubel begrüßt und von jedem Einzeloeu nach Kräften geschätzt und dewundert werden sollte. Diese Bewunderung vor dem Verfasser genannten Buches ist freilich sicklied o’er with the pale cast of ^tboagbt; es regen sich bei reiferer Ueberlegung Bedenken in uns, ' welche unserer unbedingten Hochachtung und Bewunderung einen Dämpfer aufsrtzen; wir fragen uns, ob sich der Verfasser nicht an einige» Stellen Blößen gegeben habe, welche den Werth anderer sonst vortrefflicher Stellen vollständig wieder aufheben; ob wir ihn überall verstehen, und ob er nicht stellenweise unverstanden oder halb verstanden hat bleiben wollen; warum er manchmal Gegenjätze, welche doch wirkliche Gegensätze sind, verschwimmen läßt; und die scharf gesonderte Alternative, sein unerbittliches ״entweder — oder", welches dem Buche einen großen Theil seiurs Werthes giebt, öfters nicht stellt, ja gleichsam scheu umgeht. Und wenn der alledem das Buch eine merkwürdige Erscheinung bleibt, in welchem gar manche Zustände zuerst ihren wahren Namen erhalten, und aus dessen Gebiet die Herrschaft der Phrase und viele monarchisch waltende conventiöndste Ausdrücke ohne Gnade verwiesen sind, so könrren wir imsere Bewunderung mcht urrgetheilt einem Werke zollen, das

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