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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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AH Lus den Memoiren eines SchameL. Herz nicht gebildet? Zierten nicht Edelsinn und opferfreudige Hin- Hebung und Sanftmuth und warmes Mitgefühl für alle Leiden Made uns, auf hie sie so hochwüthig herabschauten? War unser Geist yicht durch das Studium der göttlichen Gesetze gebildet, so gefchyrst, wie chn niemals das Studium profaner Wiffeuschaften hatte Mden können? Ob sie gebildet waren? Wenn hie und da aufgkschnHWte Brosamen der Wissenschaft, oberflächliche Phrasenmacherei, Morte, die der Mund sprach ohne daß der Geist sich etwas dabei dachte, Worte, die den Lippen entströmten ohne aus dem Herzen zp kommen, wenn äußere Politur wahre Bildung ist — dann waren sie gebildet, aber auch nur dann. Uns fchlten die profanen Kenntniste, aber deßhalb besaßen sie dieselben noch lange nicht. Cs War eine herausgeputzte Puppe, was sie als ächtes Kind der Wissenschaft ausgaben. Das Gemälde, das sie von sich ent- Äprsen und das vo« Weitem so schön aussah, zeigte sich, in der Mhe.betrachtet, als grobe Decorationsmalerei, grelle Farben auf sthlechte Leinwand mit dicken Pmselstrichen ausgetragen, nur die zu bleuden vermögend, die schon geblendet waren. Daß man Jude, Dichter, frommer, braver Jude sein könne und doch ücht wissenschaftlich gebildet oder noch bester, daß man in unserrr Zeit weil frommer Jude auch gebildeter Jude, das zu bewahrheitew war jetzt die höchste Zeit. Aber auch daß man um der Bildüng willen nicht ein Pünktchen vom Judenthume einbüßen dürfe. Prny auch bei uns gab es Leute, die meinten durch ״zu starres Phallen" verderbe man Alles und sie drückten ein Auge zu bei Heu Verirrungen ihrer Kinder, machten sich nichts sehen, wenn-ihre Söhne dea Säbbath durch Tragen vor den Stadtthoren entweiheten, hgtten kein Ohr für die unpastenden Witze, die sie über heilige Gebräuche rissen und — verdarben damit Alles. Ich habe einmal einen solchen Vater gewarnt, achselzuckend hatte er mir erwiedert, zü streyg dürfe man auch nicht sein und sein Sohn würde doch ein frommer Jude werden. Fünfzehn Jahre spater habe ich denselben Pater ״Schiwe" fitzen sehen, weil derselbe Sohn sich getauft hatie! Ich; kannte einen Mann in unserer Gemeinde, der selbst niem-ls Müchbrödchey von einem nichtjüdischen Bäcker aß, aber es ruhig W, daß seine Frau vud seine Kinder an seinem eigenen Tische sich hieerlaubten. Er traf einmal am Sabbath sein Söhnche»

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