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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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211 ÄriS den Memoiren eines Schames. d«mt beschäftigt, sein zerbrochenes Schaukelpferd wieder festz׳^- nageln — entsetzt fuhr er׳den Knaben an: Weißt du nicht, daß chas verboten, siehst du mich am Sabbath arbeiten? ״Nein, Papa, aber du issest auch keine Milchbrötchen und wir dürfen es doch!" So können Halbheit und Unverstand die Zukunft der Kinder untergraben! Durch Nachgeben kann Nichts gefördert, wohl aber Viel geschadet werden sowohl in Familie als Gemeinde. Concessionen machen, Compromisse eingeben, das ist der ärgste Fehler, der begangen werden konnte. Wie mancher sonst fromme Rabbiner hat vor Gott den Abfall seiner Gemeinde deshalb zu verantworten, weil er gemeint ״durch kluges Nachgeben" in ״unbedeutenden Sachen" die Hauptsache zu retten. Den allen, frommen,'Tag und Nacht lernenden" Rabbiner unserer Nachbarstadt hatten ׳sie zu Reformen im Gottesdienste drangen wollen und als er fest blieb wenigstens verlangt, er solle die Mädchenconsirmation einfähren, damit sie doch ״wenigstens in etwas mit der Zeit fortschritten". Fr gab nach und meinte recht gehandelt zu haben, er meinte durch dieses Nachgeben den Refornldurst gestillt zu haben. Ware er doch fest geblieben! Er wähnte seine Gemeinde dadurch dem Judenthum gerettet zu haben — heute ist in der ganzen Stadt kein Loth Koscherfleisch und kein am Sabbath geschlossenes Geschäft zu finden! Zwischen Wahrbeit und Lüge giebt es keinen Vergleich, ist b.c Wahrheit eine Wahrheit, so darf sie sich nicht mit der Lüge befreunden! Bei uns wurde es anders, dem thalkräftigen Auftreten des Rabbiners und des besseren Theiles des Vorstandes gelang die Rettung unserer Gemeinde. Daß Einzelne mit fortgerissen wurden, ist selbstverständlich, schlechte Juden gab es zu allen Zeiten, aber nur was von Anfang an sauer gewesen wird Essig. Auch im eigeneu Kreise stießen die Bestrebungen des Rabbiners auf Widerstand und nicht nur bei den Schlechtesten, es waren mitunter die Besseren, die der Neid, daß sic es nicht gewesen, die dem Abfall in unserer Gemeinde den Riegel vorgeschoben, scheel sehen ließ zu seinen Erfolgen. Aber auch unserm großen Lehrer Moses trat ein Korah gegenüber und der war nach der Ueverlieferung keiner der Nnwissenden und Schlechten gewesen. Weit über unsere Gerneinde hinaus wirkte das hier gegebene Beispiel und erweckte die alten Anhänger des Judenthums aus ihrer

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