Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Memoiren eines Schames. 269 zur Wege der Thora, alle Streitigkeiten unter einander fahren zu lassen, das müsse jetzt unsere Aufgabe sein, denn nur so werde es gelingen, die anstürmenden Gottesfeinde zu besiegen. ״Als Moses die Hände empor hob, siegte Israel, ließ er sie aber sinken, so gewann Amalek." So schloß er-siine Ansprache, die ihres Eindrucks Mt verfehlte. — Der Erfolg bewies, daß er Recht hatte. Denn wodurch war es den Reformern möglich geworden, so rapide Forischritte zu machen, so raschen Abfall selbst in bis dahin ernst fromme -reise zu verbreiten? Hauptsächlich weil es der großen Maste unserer frommen Juden an Achtung vor sich selbst und vor der eigenen jüdischen Wissenschüft gebrach. Sie dachten zu klein von sich und bewahrheiteten damit das alte Wort:^״Wir kamen uns ihnen gegenüber wie Heuschrecken vor und darum waren wir dies auch in ihren Augen." Ihnen hatte der äußere Schliff der Bildung, den sich die abgefallenen Brüder zu geben gewußt, in solch' hohem Grade imponirt, daß sie gar gewaltigen Respekt vor denselben bekamen. Daß das weit höhere Gut, welches sie selbst besaßen, die jüdische Wissenschaft, weit mehr wiege als die Bildung der Neologen, das sahen sie nicht ein. Daß gar Beides mit einander zu vereinen möglich, kam ihnen nicht zum Bewußtsein. In demselben Jrrthum, in dem die Großväter befangen, in demselben befanden sich die Enkel. Nur die Schlüsse, die aus den irrigen Prännssen gezogen wurden, waren verjchteden. Hatte vor fünfzig Jahren die Erfahrung, daß ein Jeder, der sich profane Wissenschaft und Kenntnisseangeeignet, schließlich vom Zudenthume abzefallen, bei Jenen den Wahn erzeugt, Judenthum und Bildung seien zwei sich bekämpf, nde Extreme und müsse man, um das Judenthum zu schützen, die Bildung verpönen — so meinten die Enkel, da sie Bildung nur an den abgefallenen Söhnen und Töchtern wahrgcnomn'.en, das Judenthum sei ein Hemmschuh der Bildung, und wolle man auf der Höhe des öffentlichen Verkehrs bleiben und nrcht Schiffbruch leiden im Leben, so müffe man es über Bord werfen. ״Entweder Judenthum oder Bildung, und darum Judenthum," hatten die Großvater gesagt — ״Entweder Judenrhum oder Bildung, und darum Bildung", sagten die Enkel. Aber fehlte es uns denn an Bildung? Waren wir in Wirklichkeit ungebildet? Waren sie gebildet? — Was uns mangelte, waren Kenntnisse der profanen Wissenschaften, nicht Büdung! War unser