Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933206-2933210--11465-2968963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2Ö& Aus den Memoiren eines Lchames. inivleradt, wenn sie'stvon dem Irrwege, auf den sie gerathen, auf den Pfad "des Rechten und Guten hatten lenken wollen. War ja überhaupt Intoleranz der Vorwurf, der uns gemacht wurde, während doch die einzig Intoleranten sie waren, die mit Absicht öffentktcheS Aergerniß erregten. Intoleranz und Proselitenmacherei bezeichneten die Wege der Reform. Kein Mittel war zu schlecht, wo es galt die Treugebliebcnen in der Uebung ihrer Pflichten zu stören, kein Stein zu schmutzig, sie wälzten ihn uns in den Weg. Sie sparten keine Drnunciation bei der Regierung, sie verschrieen uns als die Dunkelmänner und verleumdeten unsere heiligen Bücher als gemeinschädlich. Arme abhängige Eltern suchten sie durch Unterstützungen und Versprechungen zu verlerten, ihnen ihre Kinder zu Äbcrlasien, um sie kn ihren Geschäften den Sabbath entweihen, sie an ihren Tischen die Spsisegesetze verletzen zu lehren. Rastlos waren aber auch die Anstrengungen, die unser Rabbiner machte, um die zersetzenden Wirkungen des Reformgiftes zu paralyfiren. ׳Der bejahrte Mann, der niemals eme^deutsche Rede gehalten, trat vor den heiligen Schrein und forderte die Gemeinde in zürwender Rede auf, sich zusammenzuschaaren, um einig und mit vereinter! Kräften den Reformbestrebungen entgegenzuarbeiten. Er schilderte ihnen mit begeisterten Worten die Gefahr, deckte den Abgrund auf, dem sie zueilten, wenn sie jetzt müßig die Hände in den Ochvoß legten. Er entkleidete die Bestrebungen der Reologen des Gewandes, das sie in den Augen der Masie ״interessant" machen sollte, nämlich der Neuheit, und zeigte wie die Neuerungen ״der Reuen" nichts weiter find als der alte Abfall von Gott und seinem Gesetze, gegen den schon unsere Propheten hatten ankämpfen müssen. W fehle uns die Begeisterung für Gott, nicht aus Gewohnheit, aus Heberzeugung hätten wir die göttlichen Satzungen zu erfüllen, es mangele uns Selbstvertrauen, wir müßten den Muth haben, für das, wofür unsere Väter gestorben, zu leben und zwar öffentlich im Leben es zu bekennen, daß uns Gottes Beifall mehr gelte als die Zustimnnmg oder der Hohn unserer abgefallenen Brüder. Schulen zu gründen, in denen neben dem Studium der heiligen Lehre auch die profanen Wissenschaften gelehrt würden, und zwar beides bis zur höchsten Vollendung gebracht werden müsse, um zu beweisen, daß unser Zudenthum kein Feind der Bildung sei; Vereine zu stiften