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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Lus de» Memoiren eines ScharurS. 2H7 «Ürfeo, geißelte seine ״ungebildete", ״unaufgeklärte" Frau mit herbem Spotte und zuletzt ging der ״gebildete", ״aufgeklärte" Mann jo &1ii, sich au seiner Frau thätlhch zu vergreifen. Es war überhaupt merkwürdig, wie, sobald der Geist der Neuerungen in einer Familie Platz gegriffen hatte, der alte jüdische Heist der Innigkeit und Liebe zu schwinden begann. Man hätte sich dem Wahne hingeben können, es sei möglich sich seiner Psiichte» gegen Gott zu entschlagen und doch im Kreise der Mitbürger, i» Schooße der Familie die alte Merffcheuliebe, die alte Innigkeit, das alte Familienleben unversehrt zu bewahren. Da zeigte sich wieder einmal recht, wie irrig die Scheidung der göttlichen Satzuugen in solche, die wir ohne Gottes Gebot nicht gewußt und in solch«, hie unser eigenes Gefühl, unsere eigene Vernunft uns selbst gelehrt hätten. ״Du sollst Vater und Mutter ehren", gewiß ein Gebot, das wir hätten wähnen dürfen, aus dem eigenen Herzen herausgreifen zu können — wie wurde dieses Gebot jetzt verletzt! Dem sich in Gram darüber verzehrenden alter: Vater trat der ״aufgeklärte" Sobn mit brennender Cigarre am Sabbath entgegen und mitleidig lächelte über ״die gute Alte" die verheirathete Tochter, wenn die Mutter sie mit Thräneu in den Augen beschwor, die Haushaltung weiter jüdlfch zu führen. Lehren unsere Weisen, daß die Wicht, Vater und Mutter zu ehren, das Grab überdauere, so ßugeu die «^gefallenen Söhne und Töchter erst nach dem Tode derselben au, ihnen die Ehre zu erweisen, der überhaupt solch« Kmder noch fähig find. Au das Grab des Vaters, das sein Abfall ihm vor der Zeit gegraben hatte, trat der Sohn und that dem Vater die Ehr« an, ihm Kaddisch nachzusagen und das schwarze Gewand der Tochter ttauerte um die ״arme, selige Mama", deren Leben ihr Leichtsinn zu einem armseüzen, kummervollen, geknickten gemacht hatte. Prachtvolle Leicheusteine, die ihre ״Ehrerbietung und Liebe dem Gedächtniß der theuren Verklärten" setzen ließ, bezeichmten als Marksteine die Gränze, über die hinaus sie die Elter» auf Erden nicht mehr durch ihre Handlungen kränken konnten. Und Hahrzeitlichter ließen sie mich anzünden und dadurch allein glaubtm sie das Andenken der Versio׳.benen genugsam geehrt zu haben. Daß sie im Leben den Willen und die Wünsche ihrer Eltern hätten achten sollen, das kam ihnen nicht in den Sinn. Die Eltern wäre»

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