Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Würdigung der gegenwärtigen Reformbestrebungen. 197 Berechtigung derselben auf der Halis des jüdischen Religionsgesetzes ausgeschlossen bleiben sollte. Tieie ist jedoch nicht zu umgehen. Wird man doch selbst bei Reformen aus anderen Gebieten gezwungen sein, deren Berechtigung nach den Bestimmungen und Prinzipien derselben zu׳ prüfen und die Congruenz dieser mit jenen über die Zulässigkeit der Reformen entscheiden. Nach den Grundsätzen des jüdischen Religionsgesetzes sind die heutigen Reformbestrebnngen vollständig verurtheilt, sei es daß sie gegen ausdrückliche Bestimmungen unb Lehren \ der Thora, des Talmuds oder sonstigen Codices verstoßen. Tie Deform — sei es die äußerste, sei es die gemächliche, wie sie sich nennt — hat sich von vorne herein außerhalb des Judenthums damit gestellt, und wenn sie im Zudenthum Anerkennung und Beachtung zu finden beansprucht, so macht sie sich der ärgsten Heuchelei schuldig. Von diesem Vorwurfe ist keine der verschiedenen Abstufungen innerhalb der Reformpartei freizusprechen. — Tie ״Fortge^chriltenste", welche im Venasier der Urschrift ihr Haupt erblickt/ leugnet die Verbindlichkeit der biblischen Gesetze, die Göttlichkeit der-Thora und stellt wahnwitzige Axiome auf, welche sie als wissenschaftliche Forschung und Ergebniß der Bibelkunde ausgibt. Wenn trotzdem das genannte Haupt dieser Partei sich noch Rabbiner nennt und Reform iiu Judenthum anzustreben vorgibt, von ihnt in der erwähnten Casseler Conferenz ein Antrag auf Aufhebung des Verbotes von סתם "י eingebracht ist, — sc ist wahrlich für dieses heuchlerische Gebühren kein Ausdruck zu finden. — Tie von Geiger mit dem Namen ״Vermittelungstheologen "belegten Führer einer andern Fraction hat ׳nicht in diesem Umfange ihren Abfall von der Bibel ausgesprochen. Sie will ver- Mitteln zwilchen den GesitzeSverächtern alten Schlages, die noch einige Jugendeindrücke und ein geringes Maaß von Wisien aus dem Elternhause sich bewahrt haben, und deren Kindern. Tie heilige Schrift wird von ihnen mit einiger Reverenz behandelt aus Rücksicht für die Alten, welche trotz eines unjüdischen Lebens im Allgemeinen, im Speciellen noch einige ״religiöse Bedürfnisse" haben, denen Rechnung getragen werden ׳'oll. — Bezeichnend für diese Partei ist u. A. der Umstand, daß während Geiger jenen erwähnten Antrag, der gegen ein rabbinisches Verbot gerichtet ist, gestellt hat, von einem Stimmführer dieser Partei — Aub — vor die Leipziger