Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Zur Würdigung der gegenwärtigen Reformbestrebungen. nach dein Ausspruch des christlichen Richters ausgesprochenen Ehescheidung religiöse Geltung zu vindiziren, und bei Trauungen auch von Seiten der Braut dem Bräutigam einen Ring überreichen zu lasten; ferner die Bemühung das Verbot des pסתם ׳ aufzuheben u. s. w. Wir haben diese Punkte herausgegriffen, weil dieselben in allerjüngster Zeit in den Vordergrund gestellt sind, und möchten denn doch Einmal fragen: sind die erwähnten vorgeblichen Ziele in der Thal mit diesen Mitteln zu erreichen? Was haben Aufklärung und Wistenschaft mit all diesem zu thun? Wollt Ihr Wiffenschaft des Judenthums, wollt Ihr Aufklärung, wollt Ihr geläutere Ansichten vom Judenthum im Volke verbreiten, so müßtet Ihr eben Wistenschaft, Aufklärung und geläuterte Ansichten verbreiten, indem Ihr aber statt besten solchen Bestrebungen Euch hingebt, verbreitet Ihr Unkenntniß und Unwistenheit, verwirret Ihr die Begriffe. Ja, aber Ausgleichung des LebsKs mit der Lehre erreichen wir doch — Z. wird man einwenden — und das ist doch die Hauptsache! Soll das Heranwachsende Geschlecht, das vom Judenthum nur Weniges kennt, denn gänzlich sich dem Judenthum entfremden, und das muß, das wird es, wenn es ihm in so starren unzeitgemäßen Formen entgegentritt? Wir wollen deßhalb dafür sorgen, daß es sich dem Judenthum freudig und - begeistert zuwende und darum diese Reformen. — Wie? Darum diese Reformen? Tie sollen dazu beitragen? Das Heranwachsende und auch theilweise das herangewachsene Geschlecht hat längst, z. B. dem biblischen Sabbath und den Speiseverboten den Rücken gekehrt, ist zugestandener Maaßen in Unkenntniß groß geworden — wenn Ihr dieses Leben — und nur dieses meint Ihr doch — mit der Lehre ausgleichen wollt, so müßt Ihr eine solche lehren, in welcher jene biblischen Gesetze nicht enthalten sind. Ta nun aber das Judenthum denn doch der Bibel nicht wohl ent- Kehren kann, so müßt Ihr eine neue Lehre, Religion oder Confession stiften. Mt jenen wenigen Zugeständnissen kann sich das heutige Geschlecht wahrlich nicht" begnügen, xntb darauf hin einen ehrlichen Tractat mit dem jüdischen Gesetze abzuschließen. So stellen sich die Reformbeftrebungen der Gegenwart als unvernünstig und somit auch unberechtigt dar, selbst wenn die Frage nach der