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Jeschurun · 1869-01-01 · Heft 2 (Januar 1869) · page 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 2 (Januar 1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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174 Don S... ältesten Bruders, des getauften Stadtphysikus, kannte keine Grenzen. Nur sein jährliches Einkomm.11 um einige hundert Gulden zu vermehren, hatte er seinen Glauben abgelchworen und dafür foflte ihm nun mehr als eine halbe Million voreuthalten werden — das war zu arg Cr versuchte das Testament u^zustoüen, versuchte, seincn verstorbenen Onkel als im Moment des Testirens nicht mebr zurechnungsfäbig erklären zu lasten — uiwonst, der Erblaster hatte alle Vorsichtsmaßregeln beobachtet, das Testament war nicht a!1zugreifen. Auch Herr Doktor N. der würdige Seelsorger der Gemeinde sah sich enttäuscht. Er hatte gehofft, durch sein edelmüthiges Benehmen im Moment der Pfändung die Freundschaft des Fabrikbesitzers, der bisher zu seinen bittersten Gegnern gehört hatte, sich erworben zu haben, doch vergebens. Herr Meier übersandte ibm ein ansehnliches Geldgeschenk als Dank für seine Bemühung, blieb p doch sein entschiedener Widersacher nach wie vor. Mehrere Wochen waren vergangen, in hoffnungsvoller Glückseligkeit sahen die Gatten der Stunde entgegen, die sie noch glück licher machen sollte. Caroline hatte in der letzten Zeit etwas gekrankelt. Die erschütternden Gemüthsbewegungen, zuerst die schreckliche Angst vor der Insolvenz ihres Mannes, dann das plötzliche Glück, das alles hatte ihre Nerven angegriffen, der Arzt hatte viel Bewegung in freier Luft verordnet, und da in der großen menschenreichen Stadt dies das Einzige war, was auch der Millionär nicht kaufen konnte, so waren sie hinaus gezogen aufs Land, um in der frischen reinen Gcbirgsluft die erregten Nerven zu starken. * Es war gegen Abend, Arm in Arm durchwanderten sie die blumenreichen Wege des schönen Gartens, der vor ihrer Wohnung sich ausbreitete; an dem einen Ende desselben bog sich die Landstraße vorüber, hier weilten sie eben, sogen den kräftigenden Duft des gegenüberliegenden Harzwäldchens ein und betrachteten dabei das nie ermüdende Schauspiel des Untergangs der Sonne, die dort am westlichen Himmel wie ein glühender Ballen langsam zu den Bergen nieder sank. ״Heute vor vier Wochen, erinnerst Du Dich, Caroline, damals wähnten wir die Sonne unscrcs Glückes für immer untergegangen, welch' ein Unterschied zwischen damals und jetzt/

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