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Jeschurun · 1869-01-01 · Heft 2 (Januar 1869) · page 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 2 (Januar 1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 85)
Language
German
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Ein Vortrag von Adolf Kohui. 165 und der höheres Stände, wie Blei und Eisen, zu Boden, daß er nicht aufrecht sieben, geschwcige denn sehen kann, indem von Kindheit auf!eine Begriffe von Stand und Ehre verschoben und irre gemacht werden. Nicht so der Jude. Da er auf keine Würden im Staate Anspruch machen könne, wohl aber mit allen Ständen verkehrt: so lerne er alles schätzen und wahren Werth vom falschen gewiß unterscheiden. Also hat er auch für seine Person ein reineres Gefübl der Ehre, als man ihm gewöhnlich zutraut, indem er diese von Complimenten, die ihm Nichts completiren, sehr wohl unterscheidet und Schuldnercomplimente tief verachtet.- So rühmt Herder ferner den Wohlthati-gkeitssinn der Juden. ״Wenn nun im Felde der Menschheit," bemerkt er treffend, ,,jedem vorzüglichen Charakterzng sein Lob gebührt, warum nicht diesem? Von der leidenschaftlich.n, gesetzlichen Großuiuth edler Israeliten ffndet man hie und da Züge, die ebenso überraschen als befremden. Auch hat sie Lcssing, wo er nur konnte, herausgesetzt; rn Lebensbeschreibungen findet man oft dergleichen Züge: denn nicht alle Juden sind Shylocks." Herder spricht von dem Hellen, von keinem Vorurrheil befangenen politischen Blick der Juden mit eben solcher Anerkennung, wie von ihrem eminenten theologischen und philosophischen Scharfsinn. ״Meint ihr nicht" fragt er ״daß, wenn statt des Marquis d'Argends*), ein Jude wie Nathan, jüdische Briefe geschrieben hätte, diese in vielem eindringender, scharfsinnig׳:-, selbst wahrer, gewesen wären, als es jetzt die übrigens schätzbaren lettre? juives sein können? ״Wer" fragt er weiter ״übertraf einen Spinoza ׳u Consequenz, die er in sein System der Moral und Politik, ja auch der Theologie brachte? Einen Probio, Pinto**), so manche treffliche Aussprüche und Parabeln der Rabbinen, die sich auf die feinsten Bemerkungen gründen, wird irgend ein Verständiger sie ohne Achtung lesen? Dem Pöbel der Schriftsteller zwar waren oft die sinnreichsten Parabeln, aus Haß und Verkehrtheit, bald lächerlich, bald verächtlich. Warum aber? Weil er Ln ihnen den Sinn nicht faßte und sich an die oft *) d'Argends ,.lettres juives" (Haag 1736. 8 B.) **) lieber Pinto vgl. Dr. Grätz: ״Voltaire und die Juden" in Frankels Monatschrifr 1868.

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