Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Die Verdienste Herders um die Juden rc. Bäume geholt wurden." Auf ähnliche Weise äußert sich auch Schiller in seiner ״Sendung Mosis": ״Wir müssen" beißt es daselbst ״bas Judenthum als ein unreines, gemeines Gefäß, worin abcr etwas sehr Kostbares aufbewah.t worden, schätzen; wir müssen in ihm den Kanal verehren, den, so unrein er auch war, die Vorsicht erwählte, uns das edelste der Güter, die Wahrheit, znznsübren; den sie aber auch zerbrach, sobald er geleistet hat e, was er sollte" — Herder war vor Allem bestrebt, durch seine Humanitätsprincipien auf die traurige, sociale Stellung rer Juden einzuwirken. In einem Kapitel der Adraftea, das die Aufschrift: ״U der die Bekehrung der Juden" trägt, plaidnt er besonders vortrefflich für die Judenemancipation. ״Alle Gesetze," beme.kt er, ״die den Inden ärger als Vieh achten, ihn! nicht üfcer den Weg trauen und ihn damit täglich, ja stündlich ehrlos schelten: sie zeigen von der fortwährenden Barbarei des Staates, der aus barbarischen Zeiten solche Gesetze duldet. — — Montesquieu (Esprit des Lois L. LXXI Chap. XX) hat Recht, daß die ehemalige Barbarei in Europa zum Verderbniß des jüdischen Stammes und Charakters durch ein g-.waltthätiges und häßliches Benehmen gegen das jüdische Volk mit beigetragen, welches wir ihm, der Geschichte zufolge, nicht ableugnen können: daher ist es der Europäer Pflicht die Schulden ihrer Vorfahren zu vergüten, und die durch sie ehrlos wurden, der Ehre wiederum fähig und werth zu machen." Um seine Humanktätspüncipicn durchzusetzen, mußte Herder bestrebt sein, den colcffalen Berg von Vorurtheilen, unter dem die Juden fast begraben waren, mit dem Besen der unerbittlichen Wahrheit wegzufegen. So tritt er der selbst in neuester Zeit hin und wieder aufzetauchten Behauptung, daß die.Juden nach Alleinberrschast über Handel und Gewerbe strebten und diese dadurch beeinträchtigten, energisch entgegen: ״L..ffel ״die Christen ihr Gewerbe so gut verstehen, als dieJuden das ihrige; laffct christliche Familien, Zünfte und Gesellschaften einander so beistehen, als es die Juden einander zu thun gewohnt sind: wer wird den Preis vor beu andern erjagen, Juden oder Christen?" Aber Herder will das Judenthum nicht blos gegen Angriffs vertheidigen, er sucht ihm eine beffere Würdigung zu erringen. So sagt er, daß der gewöhnliche Jude ein schärferer Ehrenrrchter ist, als der Christ; denn diesen drücke gewöhnl-ch die Würde seiner Vorgesetzten