Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Rückblick auf den ungar.-israelitifchen Congreß. 145 der Fortschrittspartei durchaus kein Vertrauen schenken können; der Leichtsinn und die Gcsetzesverachtung, die sie in den wichtigsten Beziebungen des Gemeindelebens bekunden, verbieten es dem gesetzestreuen Juden, ihnen irgend ein Vertrauen in religiöser Hinsicht zu zeLcrr. Mir brauchen nur unfern Blick auf die numerisch größte Gemeinde^Ungarns zu werfen, um zur Einsicht zu gelangen, wie bei einer nichtorthodoxen Gemeindeleitung die ersten und höchsten Aufgaben einer jüdischen Gemeinde mit Füßen getreten werden. In Pesth cxiftirt bekanntlich kein rituellesFrauenbad. Die große und reiche Pesther Gemeinde, die Hunderttausende auf den Luxus verwendete, mit dem sie einem widergesetzlichen Cultus einen Tempe! baute, hat es noch nicht der Mühe werth gefunden, die selbst in kleinen armen Gemeinden sich befindende Anstalt zu gründen, die für den gewissenhaften Juden zur Erfüllung einer der heiligsten Religionspflichtcn unentbehrlich ist. Ob die Pesther Gcmeindereprasentanz die Schechita und die damit in Verbindung stehenden Einrichtungen, wenn sie nicht bedeutende Gemeindercvenuen bildete, als Gemeinde-״Bedürfniß" betrachten würde, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Daß aber schon seit langer Zeit gewissenhafte Juden dem unter der Aufsicht des Pesther Rabbinats stehenden Fleischverkaufe aus höchst wichtigen religionsgesetzlichen Gründen kein Vertrauen schenken könnten, und den dort sich befindenden gesetzestreuen Juden, die bald nach dem Amtsantritt des verstorbenen Rabbiners Dr. Meise! die Gründung einer hesonderen, nicht unter dessen Auspicien stehenden Fleischbank und die Anstellung eines vertrauenswürdigen, von orthodoxen Rabbinen approbirten Schächters bewirkten, hiefür zu aufrichtigem Danke sich verpflichtet hatten, ist notorisch. Ebenso gelangte durch die Congreßverhandlungen eine andere Nachtseite des Pesther Gemeindelebens in die Oessentlichkeit, nämlich daß dort nicht blos für den jüdischen Unterricht der Jugend nicht gesorgt ist, sondern daß Hunderte von jüdischen Kindern aus Mangel an Anstalten veranlaßt waren und sind, die Mission sschulen zu besuchen. * Doch können alle diese Erscheinungen nicht befremden, wenn man bedenkt, in welcher Weise die Pesther Cultusgemeinderepräsentanz für die Besetzung des Rabbinats Sorge trug; Dr. Meise! hatte 10