Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Rückblick auf den ungar.-israelitischen Congreß. schen Provisoriums ״in der Stimmung" gewesen wären, noch weiter gehende Neuerungen einzuführen? Nach der Ansicht des Herrn Dr. Zipser, Rabbiner in Rechniß, wäre dies allerdings der Fall gewesen; denn er behauptete in der Generaldebatte über die Gemeindeorganisation, daß nur dem ״Fortschritte die ®Tötung des jüdischen Glaubens zu verdanken sei!" Also je weiter man vom jüdischen Gesetze fortschreitet, je mehr man sich vom Altjüdischen entfernt, mit je größerer Keckheit man die Bestimmungen des jüdischen Gesetzes abrogirt, desto mehr trägt man zur Erhaltung des jüdischen Glaubens bei, desto größere Verdienste erwirbt man sich um das Judenthum, das ja nach der Anschauung des Herrn Zipser nur darum gegeben ist, damit seine nominellen Bekenner immer mehr und mehr von demselben fortschreiten, immer mehr und mehr seine Bestimmungen abstreifen. Vielleicht wird sich recht bald der Segen dieses Fortschrittes zeigen, wenn die fortschritt-!ich Gesinnten sich zu jenem Fortschritte erheben, den die noch vor weniger als 20״ Jahren" bestandene Pesther Reformgemeinde auf ihre Fabne schrieb. Herr Steinhardt meint wohl, für die Fortschrittsgemeinden darum Vertrauen verlangen zu können, weil sie wahrend der "Zeit des politischen Provisoriums nicht ״in der Stimmung waren", solche Neuerungen, die auch ihm religionsfeindlich erscheinen, einzufübren. Indessen wenn die Etnführung oder Nickteinfübrung religiousfcindlicher Neuerungen dem Zugeständnisse der Neologen gemäß von Stimmungen abhängt, so kann ja wieder eine solche der radikalen Neuerungssucht freundliche Stimmung eintreten, und können sich Gemeinden bilden, die zu den bestehenden Neuerungen noch andere hinzufügen. Sie wären dann wohl schwerlich genöthigt, wie damals bei der Berufung Einhorns sich aus dem Auslande einen Rabbiner zu verschaffen; der Fortschritt müßte Stillstand sein, wenn sich nicht auch unter den ungarischen Rabbinern s-0n manche fänden, die zur Orgel auch den Mädchenchor rc. hinzuzufügen bereit wären, und ähnliche Beweise ihres ästhetischen Sinnes mit salbungsvollem Tonge als die probatesten Mittel zur Erbauung und Gemüthsveredlung der Heranwachsenden Jugend zu proklamiren bereit wären. Aber nicht in den eultuellen Einrichtungen allein liegt der Grund weßhalb die gesetzestreuen Juden den Gemeindeeinrichtungen