Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 66 Wiener Aerzte contra die Beschneidung. Gelehrtendünkel, — wenn wir von dem nach S. 2 dem ״freien Manne" durch das neue Religions-Gesetz gegebenem ״kostbarstem Rechte — dem Selbstbemmmungsrechte" auch unsererseits Gebrauch zu machen so frei sind, und zu dem abverlangten Credo uns nicht bekennen können. Wie tief aber und richtig müssen die Verfasser und Unterzeichner des Elaborates den wahren Charakter ihrer Behauptungen selber erkannt haben, wie tief selber überzeugt sein von der Un- Haltbarkeit ihrer Behauptungen, von der Scheinnatur ihrer Gründe, von der eminenten Hohlheit alles denen, was sie vorgebracht — wie verlegen um stichhaltige wirkliche Gründe, wenn sie schließlich glauben, sich unnahbar machen zu müssen, und eine Barriere vorschieben, die in den Augen der Welt noch immer als ein verzweifeltes letztes Mittel betrachtet wird, zu dem eben nur die beklemmende Erkenntniß der Unhaltbarkeit der eigenen Behauptungen greifen kann. Eine wirksamere, vernichtendere Vertheidigung als eine solche Bekämpfung sie ist, könnte die Sache der Beschneidung gar nicht finden; Nichts spricht also für s ie, als die hier gegen sie angeführten Behauptungen. Nichts zeigt die Grundlosigkeit dieser Anfeindungen also, wie diese selbst; wie diese Teductionen, die — wie wir gesehen —man blos aufmerksamzu lesen braucht, um sie wiederlegt zu sehen! Nach dieser sich selbst' charakterisirenden Darstellung folgt sodann der Hinweis darauf, wie diese unglücklichen Zufälle unter der Hand des ge׳ schicktesten Operateurs sich ereignen können, wie ost aber werde die Beschneidung ausgeiührt: ״durch gewissenlose, unerfahrene und ungeschickte Nichtärzte, die aus reiner Frömmigkeit sich der Sache widmen und keinen Begriff von der großen Verantwortung haben, welche sie überuehmen. Haben Sie die Opfer gezählt, die hier fallen, und die theils verschwiegen uud verheimlicht, theils gar nicht als solche erkannt werden? Ter elastische Begriff ,.Lebensschwäche des Kindes" deckt gar oft, wir sprechen es offen aus, manchen durch Leichtsinn und Unwissenheit begangenen Mord." Für die originelle Kühnheit des Elaborates, welche wir bereits mehrere Male zu bewundern genothigt waren, dürrte üt den vorftehenden Sätzen ein weiterer, nicht geringerer Beleg sich varoieren. Zuvörderü dürfte es fa doch etwas kühn sein, den Umstand, daß Jemand eine Handlung aus reiner Frömmigkeit vollbringt, zur