Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Wiener Aerzte contra die Beschneidung. 119 öung — hätten schon vor Jahrhunderten den letzten Juden begraben, die Ewigkeit des ewigen Juden hätte vor Jahrhunderten ihr zeitliches Ende erreicht. Welch' ein herrlicher, göttlicher Geist muß es sein, der dies Wunder vollbracht und dies Volk in Heiterkeit und Lebenslust, Energie und Frische aufrecht erhielt inmitten und trotz des übermächtigen, von Menschenhand ihm ^׳reichten Je umers; aber welch' nicht minder wunderbar unerschöpslicher Born körperlicher Lebenskraft muß Jung und Alt dieses Volkes bergen, welch' urkrüitiger, unverwüstlicher Lebenssaft durch seine Muskel pulnren, daß sie Träger eines solchen Geistes werden u.d alw den Truck und das Elend überdauern konnten. Und da meinte das Elaborat mit dem Märchen von der ״kränkelnden schwächlichen jüdischen Jugend" kommen zu dürfen? Oder hat es etwa die jüdische Jugend unserer Zeit im Auge; soll vielleicht erst in unserer Zeit dieser Abmagerungsproceß vor sich gegangen^ sein, nun, dann bitten wir die Herren einmal, die Güte zu haben, zu einem Concil an! Krankenbett des armen Patienten zusammenzutreten und sich behufs der Diagnose die Vorfrage zu stellen: wenn unter den ungünstigsten, gesundheitswidrigsten äußern Verhältnissen die Befchneidung geübt, ununterbrochen und unverkürzt geübt wurde und gleichwohl diesis Volk frisch und fein Gesundheitszustand ungeschmälert geblieben, ist es alsdann wiffenschafttich, logisch irgendwie möglich eine unter d׳n jetzigen günstigen äußern Verhältnissen eintretende Schmälerung des Gesundheitszustandes auf die Beschneidung als deren Ursache zurückzuführen? Oder wird der Gevankengang eines wirklich ״denkenden Arztes" nicht vielmehr ihn zu der Frage führen: ob nicht vielmehr in solchen Umständen die Ursache dieser mysteriösen Erscheinung zu suchen sei, welche von den damaligen Lebensverhältnissen abweichen, ihnen vielleicht entgegengesetzt sind; vielleicht in gewisser veränderter Ledensanschauung, laxerer Auffassung gewisser beschränkenoer Gesetze, demgemäß veränderter Diät u. s. w. Selbst dann aber, wenn die Herrn Doktoren mir dieser Behauptung einzig die Mische Jugend der Gegenwart im Auge haben, stellen sich ihr, außer der nachgewiesenen Oberflächlichkeit, noch andere ebenso schwer wiegende Umstände entgegen.