Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933206-2933209--11372-2968869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 66 Wiener Aerzte contra die Beschneidung. ausreichend zu begründen und zu beweisen im Stande waren und noch sein werden. Nachdem wir übrigens kennen gelernt, was sie ״beweisen" nennen, begreifen wir auch vollkommen die psychologische Reflection, vermöge welcher sie oben S. 3 den ״jüdischen Gelehrten" den Vorbehalt: — ״ohneSophiftik" setzen zu müssen glaubten. Es sind uns jedoch in dieser Beziehung noch überraschende Ersahrungen Vorbehalten. Zunächst geht nun das Elaborat aus die ״neuen Gefahren der Nachbehandlung" ein. ״Rach Ballführung des operativen Aktes ist noch nicht alle Gefahr beseitigt, im Gegentheil treten während der Nachbehandlung neue, eben׳'o große, ja noch bedeutendere Gefährdungen hinzu: Häufige und gefährliche Blutungen treten in dieser Zeitperiode ein. In dieselbe fallen alle Nachtheile und Schädlichkeiten des Verbandes: Ansteckungsstoffe, theils als Contagien, theils als Miasmen finden einen fruchtbaren Boden und entwickeln sich rasch in ihren deleteren Wirkungen. Sind aber auch die einen oder die andern dieser gefährlichen Zufälle glücklich besiegt und überstanden, 10 bleiben sie dennoch nicht ohne Einwirkung und Folgen für die weitere Ent- Wicklung des Kindes. Es ist Thatsache, 'daß geringe Blutungen in so zartem Alter genügen, um auf eir.^ weitere günstige Ausbildung hemmend einzuwirken und die Veranlaffung zu einem spätern Siechthum des Organismus zu geben. Blutarmuth, Scrophulose, Tuberkulose u. s. w.. find die möglichen, traurigen Consequenzen und es hat sich schon lange dem denkenden Arzte die Frage aufgeworfen, ob nicht bei einem großen Theile der schwächlichen, kränkelnden jüdischen männlichen Jugend in der Beschneidung und ihren Folgen der erste Keim zu suchen sei. Syphilis. Tiphteritis, Entzündungen des Zellgewebes und der Venen, Brand u. s. w., durch die Operation veranlaßt, haben Hekatomben von Opfern bereits gefordert. Freilich weiß der Laie nicht, daß virse Opfer, weil sie meistens erst im spätern Al^. fallen, dennoch als erste Veranlaffung die Beschneidung bezeichnen." Ein durch Tusch und Wirbel wahrhaft imposantes Finale, ein wahrhaft dramatischer Schluß, aus dessen Effect nicht wenig gerechnet zu sein scheint. Nv?׳ schade, daß zwischen dem dramatischen Schluß und der ״Auflaffung" der Beschneidung nothgedrungen eine kleine Zwischenpause liegen muß, die es verstattet ein wenig frische Luft zu schöpfen und die aus die vorgesührten Nebelbilder den Hellen Strahl des Tages fallen läßt. Alle irgend erdenklichen unglücklichen Zufälle, alle Schreckbilder der Pathologie läßt die laterna magica der Herrn'Doctoren vor unser entsetztes Auge vorüberziehen, und jedes trägt die erläuternde Unterschrift: ״mögliche Folgen der Beschneidung und ihrer Nachbehandlung." ״Häufige und gefährliche