Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Wiener Aerzte contra die Be׳'chneidung. 109 Momente beschränkt. Wir würden dieses Faktum nicht erwähnen, wenn es uns nicht darum zu thun wär^, einestheils zu zeigen, wie weil die Verirrungen des menschlichen Verstandes gehen können, und anderntheils zu beweii'en, dag, sowie überhauvt, auch für die ^veration als solche keine dogmati'che Vorschriften eristiren Turch die Aufladung der Meziza mit Einwilligung des Rabbinats - Collegium wurde der sicherste Beweis geliefert, daß die Art und Weste der Vollfiihrung der ^reralion auf rein willkürlichen Annahmen und Vorschriften beruhe; denn sonst würden .und könnten die Rabbiner nicht ׳elbst die erste Bresche in diese ceremoniell-religiöse Procedur gelegt haben. Es lüge daher auch keine Berechtigung von Leiten des Rabbinats vor, stch dem Beschlüße entgegenzustemmen, auch den zweiten, aber gefahrbringendsten Akt der Loeration. die Pria, fallen zu lasten und den ganzen Alt der Be׳'chneidung einug und allein auf die Abtragung der Vorbaut zu beschränken, sowie dieses bei allen orientalischen Völkerschaften geschieht, bei denen die Eircumcision geübt wird." Das also sind die Umstände, die den Herrn Dotieren die Ruhe rauben, das also die Gründe, mir welchen sie ״nach wiederholten Besprechungen" und ״gründlicher" Berathung die Schädlichkeit der Beschneidung demonstriren zu können vermeinen! Die ״Gefährlichfeit" der Beschneidung wird freilich durch alle Tonhöhen hindurch variirt: ״effektiven Schaden und Nachrheil an Gesundheit und Leben", ״Gefährlichkeit", ״mindest gefährlich", ״lebensgefährlichst", ״gefahrbringendst", ״heftigste, lebensgefährlichste Blutungen" u. s. w. Allein sie vergeffen, daß mit dem Allem doch ganz und gar Nichts gesagt ist. Von ihrem Standpunkte aus, könnten und müßten sie die Gefährlichkeit einer jeden Bewegung u. s. w. behaupten.^Die Entfernung eines im Fleisch sitzenden Splitters, das Ritzen des Zahnfleisches des Kindes u. s. w., kann ״aus früher nicht zu eruirenden und zu bestimmenden Momenten" oder durch später hinzutretende unglückliche Zufalle die traurigsten Ereignisse im Gefolge haben. Man denke an Dispositionen wie die der sog. Bluter, oder in die nicht beachtete geringe Wunde dringt ein giftiger Stoff z. B. der viel verbreitete Phosphor tu dgl Essen und Trinken, Laufen und Gehen u. s. w. — die Herren Doktoren werden es bezeugen, wie unzählige Male sie nicht schon zu den lebensgefährlichsten Folgen dieser an sich gleichgültigen Akte an das Krankenbett gerufen wurden, wie viele Gliedverenkungen und -Brüche ihre Kunst nicht in Anspruch genommen hätten, wenn der Patient nicht gelaufen, nicht gegangen, nicht geritten, nicht gesprungen u. s. w. Fahren hat schon die un-