Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2933206-2933209--11359-2968856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 Wiener Aerzte contra die Beschneidung. 103 wenigstens (!) den rein ärztlichen Th eil dieser religiösen Ceremonie zu überwachen (?) und so weit als möglich, der drohendsten, gejährlichsten Momente zu entkleiden." Diesem Streben verdanke ein bereits 1863 von den Mitgliedern der dortigen ärztlichen Spitalcommisfion auszearbeitetes erschöpfendes Elaborat sammt Instruktionen seinen Ursprung. Tie darin gemachten Vorschläge seien aber an dem Widerstande ״der Priester" gescheitert und so sei endlich Alles wieder geblieben, ״wie es seit Jahrhunderten gewesen." ״Einige in der letzten Zeit vorzefallene und rasch aus einander folgende unglückliche Ereignisse unmittelbar nach und durch die Beschneidung, Ereignisse, deren Ursachen theils in fehlerhafter Ausübung der Operation, tbeils in nicht früher zu eruirenden und zu bestimmenden Momenten zu finden find, veranlaßren die gefertigten Aerzte mosaicken Glaubens sich zu wiederholter Besprechung zu versammeln und neuerdings gründlich über diesen Gegenstand zu berathen." ״Der rein ärztliche und humanitäre Standpunkt, von dem die Gefertigten ausgingen, erhielt einen nicht zu unterschätzenden Impuls durch daS Jnslebentreten des neuen Religions-Gesetzes," denn erst durch dasselbe sei die Gleichberechtigung zur Wahrheit geworden, ״und wurde dem freien Manne sein kostbarstes Recht gegeben — das Selbstbestimmungsrecht."'- Hierauf gelangt die Eingabe zur Beschneidung selbst. ״Die Beschneidung ist und bleibt ein operativer Eingriff," der niemals ein gleichgültiger, ja immer ein gefährlicher genannt werden müsse und welchem ein günstiger sanitärer Einfluß ״vom Standpunkte der exakten Wissenschaft und der gewissenhaften Beobachtung und Erfahrung unbedingt abgesprochen werden müsse." ״Die Operation bietet also keinen Nutzen, sie bringt nur Gefahren; ja mehr als diese, effektiven Nachtheil und Schaden an Gesundheit und Leben." Wir — und mit uns gewiß unsere Leser erwarten nun zunächst die Gründe für die obigen in so bestimmter Weise vorgebrachten Behauptungen, um so mebr als dieselben keineswegs unbestritten find, denselben vielmehr geradezu entgegengesetzte Ansichten gegenüberstehen. So haben z. B. Autoritäten, welchen die Herren Unter- Zeichner ״den Standpunkt der exakten Wissenschaft und der gewsssenhaften Beobachtung und Erfahrung" nicht wohl werden absprechen können und wollen, einen ״günstigen sanitären Einfluß", in leichterer Heilbarkeit mancher Krankheiten nämlich, der Beschnei-