Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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92 Die Hypothesen der Bibelkritik. reits beseitigt, nachdem schon oben die Richtigkeit der Auffassung, daß der Ausdruck ,בני ר^קי Menschen bezeichnet, sowohl sprachlich als durch den Zusammenhang nachgewiesen, und die gegen diese Auffaffung von der Bibelkritik erhobenen Einwände widerleg! wurden. Der fernere für den vermeintlich späteren Ursprung der bezeichneten Stellen angeführte, auf die in 6, 6; 7, 16; 8, LI ausgesprochenen Anthropomorphismen gestützte Grund gekört zu Nr. 4 der bereits früher charakterisirten Beweismittel der Bibelkritik. Wir wollen hier, obgleich wir schon in unserer Besprechung der das ä. Kap. der Genesis betreffenden Aufstellungen der Bibelkritik gezeigt, daß jene Stellen, in welchen eine ״sehr menschliche Darstellung I.'s erblickt wird, nicht den entferntesten Anhaltspunkt für die hieran geknüpften Behauptungen der Bibelkritik bieten, aus den unserer gegenwärtigen Betrachtung zu Grunde liegenden Kapiteln einige Beispiele anführen, welche zeigen, daß auch in solchen Stellen, die von der Bibelkritik zu den Bestandtheilen der ״Grundschrift". gezählt werden, Ausdrücke sich befinden, in denen — wenn man es so nennen will — eine ״sehr menschliche Darstellung" Gottes liegt; so z. B. 6, 12 ״ וירא ^קי׳Gott sah"; 6, 18 nach welcher Stelle Gott sprach: ״Ich werde meinen Bund mit dir aufrechthalten; 8, 1: /״ ויזכר >^קיGott gedachte". Wenn also, wie hieraus ersichtlich ist, auch in solchen Stellen, welche die Bibelkritik zur ״Grundschrift" rechnet, anthropomorphistische Darstellungen sich befinden, so kann von keinem Gesichtspunkte aus auch nur ein Schein von Berechtigung vorhanden sein, in solchen Stellen einen Grund für die behauptete Verschiedenheit des Verfassers zu erblicken. Soll über die Persönlichkeit Gottes und über das Verhältniß Gottes zum Menschen irgend etwas prädicirt werden, so sind Anthropomorpbismen unvermeidlich, da Menschen nur auf menschliche Weise von Gott zu denken vermögen, womit auch bereits die jüdischen Weisen die in der Bibel vorkommenden Anthropomorphismen erklärten. Selbst die allgemeinen Verstandesbegriffe der Substanzialität und Kausalitat können, wenn sie auf Gott bezogen werden, nicht dasjenige bestimmen, was Gott an sich sondern nur, was Gott für uns ist. Demgemäß beruht es auf einer völligen Verkennung der Bedeutung der biblischen Anthropomorphismen, in denselben gewisse Grade zu unterscheiden, und, wie von Seiten der Bibelkritik ge-