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Jeschurun · 1868-10-01 · Heft 1 (Oktober 1868) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 1 (Oktober 1868)
Date
1868-10-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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48 KarpeleS: Heinrich Heine und das Judenthum. \m aus Heiue's Briefen an Moser genügen. Es heißt״ dort: ״Dernais habe ichpredigen gehört, er ist ein Charlatan, keiner von den Juden versteht ihn, er will nichts, und wird auch nie eine andere Rolle spielen; aber ist doch ein geistreicher Mann, und hat mehr Spiritus in sich als Di־. Klay, Salomen, Auerbach I. und H." — Wenn die erste Hälfte dieses Satzes Heine's Ernst gewesen wäre, wir würden uns nicht wundern; denn wie sollte ein Mann von Heiners Erziehung einen Vertheidiger des strengsten Rabbinerthums, zumal einen geistreichen, für etwas Anderes halten können? Er konnte einen Mann wie Bernais unmöglich begreifen, konnte nicht verstehen was ein Bernais wollte; deßhalb sollte ihn auch kein Anderer und er sich selbst nicht verstehen dürfen. So ging's dem Heine des berliner aufgeklärten Kreises. Dem genialen Heine war Bernais ein ganz anderer Mann, dieser verstand den Bernais vorzüglich, dieser durfte dies aber nicht laut aussprechen, denn jener conventionelle Heine wollte es nicht haben; nur anzudeuten wagte es dieser. Wollt Ihr den genialen Heine über Bernais hören? So leset einen Brief, welcher kaum drei Monate später geschrieben ist. ״Wahrlich dort in Hamburg habe ich nicht wie ein Egoist gehandelt. Ich habe trotz allen Ncbenrücksichten mich nicht entschließen können der widerwärtizen Gebrechlichkeit zu huldigen und auf die Kraft zu schmähen. Ich meine hier meine so verketzerten Aeußerungen über Klay und Bernais. Wenn Du mich kennst, so mußt Du wiffev, daß mich, meiner Natur nach, ersterer mit sammt seinem Gelichter sehr anwtdern mußte, und daß mir der kräftigeBernais, obfchon ihm dienegativeu Tempeltugenden fehlen, sehr achtungswerth Vorkommen mußte. Meine Vorliebe für das konsequente und rigorose Rabbinerthum lag schon vor vielen Jahren in mir als ein Resultat historischer Untersuchungen".Der konventionelle Heine spricht von sich: ״Doch der geborene Feind aller positiven Religionen wird nie für diejenige Religion (die jüdische) sich zum Champion aufwerfen, die zuerst jene Menschenmäkelei aufgebracht, die uns jetzt so viel Schmerzen verursacht"; er fährt aber gleich fort, im Kampfe mit dem genialen: ״geschieh cs auf eine Weise dennoch, so hat es seine besonderen Gründe, Gemüthsweichheit, Starrsinn und Vorsicht für Erhaltung eines Gegengifts." — Daß Heine selbst den Widerspruch empfun-

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