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Jeschurun · 1868-10-01 · Heft 1 (Oktober 1868) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 1 (Oktober 1868)
Date
1868-10-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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4Um Taumel L. Hirsch. 45 wo er in höhnendem Tone von dem Juden spricht, manchmal mit, manchmal ohne Veranlassung dazu, tritt dieser Grundzug seines Charakters hervor. Wir erinnem an einige Parthieen im Atta Troll; an die trefflichen charakteristischen Figuren Gumpel Gumpelino und seinen Sekundanten Hirsch Hyacinth; an den Moses Lümvchen. Er spricht häufig in den verächtlichsten Ausdrücken von den Juden, nennt sie Schmutzlappen, Schacherjuden und giebt ihnen die unfeinsten Epitheta, es ist dies die Folge seinerZ Erziehung und^ seines Verkebres. Es ist ein Jahrhunderte hindurch tradirter Brauch, mit Juden ganz nach Willkür zu verfahren; hat man von einem Einzigen wirkliche oder eingebildete Unbill erfahren, so müffen es Tausende büßen; hat man über einen Einzigen Recht zu einem ungünstigen UrLheile, sofort heißt es: er ist ja ein Jude. Die modernifirten ^uden überboten nach Renezatenweise darin noch ihre nichtjüdischen Gesinnungsgenossen; und diese waren ja die Lehrmeister Heiners gewesen. Wrr bauen uns gar nicht wundern dürfen, hatte Heine immer in verächtlichstem Tone von den Juden gesprochen; oder sich gar seines, freilich sehr lockeren Verhältnisses mit ihnen geschämt und sie völlig iulvrirl. Dennoch sehen wir das Gegentheil. Manchmal freilich läßt er sich von dem ihm angebildetcn Charakter verführen die Juden zu beleidigen, ihre Traditionen zu verunstalten, ihrer Lehre unwahre Begriffe anzudichten. So in dem Ged׳chte:^״Disputation", wo doch auch die jüdische Anschauung nach Anlage des Gedichtes lächer lich gemacht werden muß, verunstaltet er die alte Erzählung vom Leviathan, und dichtet dem jüdischen Gotte einen angeblichen, von christlicher Seite häufig vorgeworfenen Mangel an einer, übrigens sehr dürftigen, Liebe an. Solchen Verunglimpfungen widerspricht aber Heine selbst immer am Glänzendsten an den Stellen, wo er ״er selbst" ist. Dennoch fing er erst kurz vor seinem Tode an, sein conveutionelles Kleid vor Aller Augen abzulegen; und nur allmälig zeigte er sich in seiner wahren Gestalt. Man sieht den Ringkampf seines wahren Jch's mit dem ihm angebildeten, und nie ist jenes zum wirklichen Siege gelangt. Daß aber überhaupt ein besseres Ich, vom jüdischen Gesiclusvunkte betrachtet, sich bei ihm vorfand, ist es, was riebeso vielen anderen Eigenschaften seiner Persönlichkeit seine Erscheinung so höchst interessant macht. Die meisten, ja fast alle Geistesverwandten Heine's in der negirenden Richtung, find ihr gan-

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