Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Karpeles: Heinrich Htzinr tmb bä» Iudenthum gründeten eine Zeitschrift, und nachdem sie einige Hefte fertig gebracht hatten, boten sie dieselben dem Publikum an; da schüttelte das Publikum den Kopf und sagte: wir kaufen euch euere Hefte nicht ab. — So muß es naturgemäß allen Spaziergängern der goldenen Mittelstraße ergeben, Allen, welche glauben, die Wahr beit lehne sich rechts und links an zwei Unwabrbeiten an, und müsie zwischen diesen gesucht werden, wie der Labme zwischen zwei Krücken. Rein, die Wahrheit ist ein Extrem, und stebt der Unwabrheit gegenüber; sich von den Extremen entfernen, beißt: sich von der Wahrheit entfernen, sie in der Mitte suchen, bedeutet nur: Wahrheit mit Unwahrheit mischen, also Unwahrheit erstreben. Auch unserem Vers, ist diele Unwahrbeit entschlüpft; und er hält die Anwendung dieser Methode ״für den richtigen Maßstab zu einer unparteiischen Beurtheilung unseres Dichters." Im Gegentheil, wir glauben, daß in Heine zwei völlig unausgesöhnte Gegensätze mächtig wirkten; es war ein immerwährender Krieg in seinem Innern; zwei Principien kämpften in ihm um den Sieg: das durch Erziehung und Verkehr ibm angebildete, und das durch sei^ Genie hinter der dichten conventionellen Scheidewand erkannte wabre, jüdische. Heine war kein sittlicher Mensch, er gab sich ohne Widerstand seinen ״noblen Passionen" wie es die Leute nennen, hin; aber er stand auf dem Standpunkte seiner Zeitgenoffen; es dürfte kaum einer seiner zahlreichen Freunde in seiner Lebensweise etwas Verwerstiches gefunden haben; seine Fehler find demnach, wenn auch sie und nimmer zu verteidigen, dock jedenfalls zu erklären. Ebenso erklärlich wäre es ferner gewesen, wenn er nie den Hang nach einer entgegengesetzten Lebensweffe in sich empfunden bitte; dennoch ist eür solcher Hang in chm erwacht. — Er war kein Jude, höchsten- «ur trug er den Namen eines solchen, was Wunder wenn er nie das Judentum wertb gebalten hätte? Dennoch erkannte er dm Wrrtb des Judmthums, er war ganz von feinem Werthe durchdrungm; bei jeder Gelrgmheit spricht er von demselben; nein, nicht bloß bei jeder Gelegmheit, denn manchmal zieht er das Indenthum, wie »an zu sagm pflegt, bei dm Haaren herbei, z. B. in dem Gedichte Bitzliputzli, wenn er sich von der Berherrlichnng seines Heldm ColumbuS plötzlich losmacht, und auf Moses überspringt, um diesen als dm größtm Helden unter allen Menschen darzustellen. Sogar,