Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Karpele-: Heinrich Heine und d-S Judenthum ihre Bärte gesehen hatten, findet auch auf diese erleuchteten Köpfe volle Anwendung. Als Symbol des Judenthums hätten sie angegeben: einen schmutzigen Bart, schlechtes Deutsch und Aehnlicdes; vielleicht allenfalls auch Kadischsagen. So commentirt, unterschreiben wir auch gern den folgenden S-tz des Vers : ״Sol!׳en Geistern, die ausgezogen in der Schule deutscher Philosophie und deutscher Dichtung, konnte das Judenthum damaliger Zeit, wie es ihnen bekannt war, nicht Zusagen." In solcher Umgebung nun lernte Heine das Judenthum, oder vielmehr die Carrikatur desselben, zunächst kennen; es war diese aber nicht seine einzige Schule. Der Aufenthalt in Hamburg machte ihn, wie es scheint, mir einer andern Sette bekannt. Freilich lernte Heine, der bei seiner nichtjüdisch'n Erziehung nur insofern Jude war, weil man chm gesagt hatte er sei ein Jude, einen Widerwillen gegen gewisse jüdische Aeußerlichketten nie überwinden; aber eben dieses macht die Frage um so schwieriger: wie kam es, daß Heine trotz dieses Widerwillens, trotz seiner beterogenen Erziehung, trotz der vornebm negireuden Richtung der Schule, in welcher er zuerst mi: dem Judenthume brkannt wurde, das wahre Judentbum, das rigorose ״Rabbmertbum" mit seiner ״strengen Asc-tikerkannte, von derr-silben begeistert wurde, und sich darüber so äußerte, daß mau mit unserem Vers, tagen muß: ״Haue Heme das Judentbum des Geistcs, das echte und wahre, mit seiner reinen Gottesidee und seinen herrlichen Geisteserzeuauistcn gekannt, er hätte dasselbe niemals verlassen"! — Hier meinen wir nun, daß das oben Gesagte zur Anwendung kommt, daß nur ein Jude, dem die alten Traditionen heilig sind, den Heine psychologisch erklären könne. Um Heine zu verstehen, muß man das alte Jutenthum als ein großes, unantastbares Gut anerkennen, ehrfurchtgebiererid, und zugleich im Stande, die zartesten Seiten einer poetisch gestimmten Seele erzittern zu machen; ausgcrüstet mit einem undurchdringlichen Harnisch gegen alle feindlich gegen dasselbe anstürmenden, mit allen Künsten des Fern- und des Nahkampfes, deS offenen und des versteckten Augustes versehenen Gewalten. Es hat Stand gehalten, gegen den Machtspruch: ״!Hut nichts, der Jude wird verbraun-!" des Mittelalters, das die Aufgabe, welche Haman fich gestellt hatte, zu der seinen gemacht hatte; es ist aufrecht geblieben, trotz des gleißenden Ausrufes der neuen Zeit: ״thut