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Jeschurun · 1868-10-01 · Heft 1 (Oktober 1868) · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 1 (Oktober 1868)
Date
1868-10-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Ls» Samuel L. Hirsch. 41 Briefe an Moser an, welche auch Vers. Läufig berückstchtigt. Auf die Studentenzeit Heine's also bezogen ist die Schilderung des Petf. vollkommen der Wahrheit entsprechend. Damals ״stürmten die verschiedenartigsten religiösen Einflüsse auf den jungen Dichter ein. Auf der einen Seite die verfehlten reformistischen Bestrebungen des Bttliner Culturvereins, auf der andern Seite der Umgang mitdtt zwar geistreichen, aber von der falschen Zeitrichtung fortgerifienen Friedenke Rahel Lewin, verehel. Varnhagen, und ibrer Freunde und Freunbinnen." Das also war die Schule, wo Heine mit dem ABC des Judenthums bekannt wurde. Seine Lehrer standen auf dem Standpunkte völliger Negirung aller jüdischen Traditionen. ״Auferzogen in der Schule deutscher Philosophie und deutscher Dichtung", waren sie durch den Reiz dieser ihnen noch nicht lange zugänglichen Gebiete vollständig betäubt. Die Berliner Juden betrugen sich wie Malvolio in dem Stücke Sbakespeare's ״Was Ihr wollt", als er sich einredete, seine Herrin wäre in ihn verliebt. Solche große Herren, solche große Philosophen und der Glaube an die jüdische Religion? So riesenhaft entwickelte Menschen an einem Gängrlbande? Rudelweise ließen sich die Juden taufen. Aber die christliche Religion ist doch auch eine Religion, konnten fick solche Philosophen abtt über^rupt einer religiösen Richtung anschließen? Es wurde beschlossrn נעשה לנו שם; wir machen uns etwas ganz Apartes; wir wollen ״wir" sein; es soll ein neues System begründet werden, das die Welt fortan beherrschen soll; getauft brauO nur derjeni^ zu sein, dtt dieser Formalität behufs seiner Carrierr bedarf, die Uebrigen konnten Juden bleiben, aber filtrirte, durch ein Haarsieb gezogene Juden. Was nach diesem Experimente noch jüdisch in den Leuten war, sollte nun mit einer Ungeheuern Dosis Philosophie untermischt werden; zuletzt noch eine Quintessenz neologischer Phrasen, auS allen deutschen Dichtern aufgelesen, darüber oberflächlich ausgestreut, und dtt Zaubertrank ist fertig, welcher, dem schön polirten Kessel entquollen, alle Welt in das Mährchenland der vollständigen Anfklänmg verschen sollte. Was mau bei diesem Pro« sie für das Scbwierigste halten möchte, war gerade das Leichteste. Das Filtriren ging von selbst, denn was war an diesen Leuten noch von dem Jüdischen übrig grbliebea? Sie kannten das Judenthum gar nicht. Das Wort Heine's, daß di« Christen die Juden zu kennen glaubten, weil fie

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