Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Pflege des sittlichen Momentes schließenden Wollens? Bildet die Natur des Objektes, an welchem und für welches eine freie Willensthätigkeit sich übt, einen Unterschied in dem wesentlichen Begriff der sittlichen That? Ist nicht das sittlich Gemäße der That an sich und das Motiv, aus welchem sie sich vollzieht, allein entscheidend für den sittlichen Begriff der That, und sollte somit die freie Willensthätigkeit, die sichin Bildung des eigenen Geistes lernend vollzieht, kein sittliches Vollbringen an sich, und keines solchen Motives fäbig sein, das sie zur reinsten Höhe einer sittlichen That erhübe? Und gebört somit der Gedanke, der wie mit einem Zauber die ganze inrellektuelle Schulthätigkeit unserer Jugend zu einer gleichzeitig fortwährenden sittlichen Bildnngsgvmnastik umwandeln möchte, so ganz und gar in das Reich der Utopie? Kommt ferner die Uebuug des Gehorchens, das Sichbereitstellen zur Erfüllung eines höberen Willens, die dabei nothwendig zur Uebung kommende Se^r stbeherrschung, die Pünktlichkeit und möglichste Vollendung aufzetragener Pflichten, die Arbeitslust und die reine Freude an vollendetem Schaffen, die sich selbst controlirende Munterkeit, die Bescheidenheit, die Verträglichkeit, die Versöhnlichkeit, die genoffenschaftliche Theilnabme, kommen alle die Tugenden zu deren Bethätigung das Schulleben mit seinen Momenten des Unterrichtes im Allgemeinen und des Umgangs mit Höheren und Gleichen so reiche Gelegenheit bietet, nicht der Gesammtpflege des sittlichen Charakters zu Gute? Ja, selbst bei den besonderen Anforderungen, die specielle Disciplincn vermöge ihrer Eigenthümlichkeit zu stellen haben, und zwar solche nicht am wenigsten, die nach ihrem manuellen oder intellectuellen Charakter dem Sittlichen ganz fern zu liegen scheinen, dürfte denn doch auch das sittliche Moment nicht so leer ausgehen, als man oberflächlich meinen möchte. Wir fürchten nicht einem bloßen Lächeln mit der Aeußerung zu begegnen, daß selbst das Klare und Gefällige einer schönen Handschrift, das Saubere und Ordentliche von Schreib- und Arbeitsheften, der im Zeichnen genährte Sinn für Formen-Harmonie, die Vollständigkeit und Abrundung einer algebraischen und mathematischen Lösung, der in Beiden genährte Sinn für das Congruirende und Nichtcongruirende, eigentlich der Sinn für logische Harmonien, daß alles dies und Aehnliches, sowie die dabei in Thätigkeit kommende Achtsamkeit,