Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1868-10-01 · Heft 1 (Oktober 1868) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 1 (Oktober 1868)
Date
1868-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2933206-2933208--11259-2968755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Bon der Pflege das sittllcheu Momentebeleuchtende Darstellung pflegt, nicht blos jüdische, sondern allgemein menschliche Wahrheit enthalte, daß somit, wenn die Voraussetzung wahr wäre, daß bei den Schulleistungen der Jugend das sittliche Moment ganz arm ausgehe, und die Unterrichtszegensiände der Schule nothwendig einer Berichtigung und Bereicherung des stttlichen Urtbeils fern bleiben müssen, dann in der That die Schule kaum zu den Anstalten für sittliche Menschenveredlung sich zahlen dürste. Wir können uns auch nicht verfehlen, daß schon der Gesichts- Punkt, aus welchem Haus wie Schule gemeinhin die Unterrichtszwecke von der Jugend betrachte!: lassen, und in welchem sie den nachhaltigsten Wecker der Lernlust u..d des Lerneifers erblicken, der Pflege des sittlichen Momentes wenig Raum gewähre und auch die Schule nur als Heiligthum des Marktgottes der Nützlichkeit preise. Es lerne die Jugend um für die einstige Brod-Carriere geschickt zu werden. Der und jener Unterrichtszweig sei besonders nützlich und wichtig für den künftigen Mann des Geschäfts und des Gewerbes. An die Erreichung gewisser Bildungsstufen knüpfe sich die Erlangung bedeutender Lortheile und Berechtigungen. Alles Motive, die der göttlichen Psyche des jungen Menschen nur Merkursflügel leihen, uur das eigene Selbst und dessen Vortheile zum Mittelpunkt ihrer Bestrebungen machen — und es beginnt das Sittliche doch erst mit selbstloser Hingebung an ein Anderes, Höheres, mit opferfreudiger Unterordnung unter das Diktat der Pflicht! Selbst die Mittel, mit welchen die Schule die erkennenden und schaffenden Energien ihrer Zöglinge weckt, sind — wir dürfen auch davor das Auge nicht schließen — für die Pflege des sittlichen Momentes von melstens zweifelhafter Natur. Der Wetteifer, der Lob und Auszeichnung ambirende Ehrgeiz, diese für die Schulzwecke so heilsamen und kaum zu umgehenden Gehnlfen — es gehört doch die still gegenwirkende Macht des sittlichen Gesammttenors einer Anstalt dazu, um olles dies nicht in seine häßlichen Zwillingsbrüder des Dünkels, ta Ehrsucht und der Schadenfreude ausarten zu lassen. Auch laßt es sich ja wohl nicht in Abrede stellen, daß — von den Relrgwasstunden abgesehen — ein der sittlichen Bildung zu Gute kommender wohlthätiger Einfluß bei vielen, vielleicht den meisten andern von der Schule gepflegten Unterrichtsgegenständen mindestens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.