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Jeschurun · 1886-12-30 · Heft 52 (30.12.1886) · p. 822

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 52 (30.12.1886)
Article
Prediger-Verirrungen [Rezension]
Date
1886-12-30
Page
822 (sequence 3)
Language
German
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822 3. B. M. 25,50. והשב עם קנהו (Wenn jemand aus Noth sich einem Nichtjudcn verkauft hat und er durch Verwandte oder eigene Mittel auSgclöst wird) so rechnet er mit seinem Käufer (wieviel von dem gezahlten Kaufgcldc dem Käufer znrnckcrstattct werden Muß). Verfasser benutzt diesen BcrS als Einleitung zur Predigt am ש" בהה (S. 116) also: Als einen ernsten Mahnruf zur Tugend verkündet und unser Wochenabschnitt: ״ והשב עם קוגהוEs muß der Erdensohn einst Nechenschafr ablcgen über sein ganzes Erdenleben und seinen Erdcnwandcl vor seinem Gott und Herrn!" Nicht genug damit, zur AnSschmücknng dieses höchst einfachen Gedankens einen פסוק maltränrt zu. haben, benutzt der Verfasser, um diesen Gedanken möglichst breit zu treten, noch den folgenden: ES heißt nämlich 2. B. M. 22,7: ונקרב בעל הבית אל האלקים (Wenn der Dieb nicht gefunden), so hat er (der שומר הנס) als Herr des Hauses im Neinigungseide sich Gott zu unterstellen אם• לא שלה ידו במלאכת רעהו wenn er nicht cm das Gut seines Nächsten seine Hand angelegt hat." Diesen, einfachen Rechtfall verdreht Verfasser also: ״ES muß einst der Erdcnsohn, dieser Herr des Welten- Hauses, hintretcn vor Gott, den Wcltcurichtcr, und muß sich rechtfertigen, ob er nicht Hand angelegt hat an das Werk seines Nebcnmenschcn, ob er sich an ihm nicht versündigt und vergangen!" Eine großartige Leistung ist die nun folgende. Es heißt 4. B. M. 21, 27, על כן יאמרו המשלים באו ״ חשבון תבנה ותכנן עיר פיהוןDarum sagen die Spruchredner: Gehet einmal hin nach Cheschbon! Es wird nun als SichonS Stadt gebaut und neu gegründet." Verfasser interpretirt in folgender bewunderungswürdigen Art (S. 117): עליכן יאמרו המושלים״ Darum sprechen also die sich selbst beherrschen, באו חשבון kommt zur Berechnung, abzuwicgen den Nachtheil einer Pflicht gegen ihren Lohn und den Vorthcil einer Sünde gegen ihren Nachtheil- Thust du also: תבנה ותכונן dann wirst du erbaut und fest gegründet für diese wie für jene Welt, für Zeit und für die Ewigkeit!" Wo bleibt aber das עיר פיחון? Da ist dem Verfasser sicher der Athem auSgcgangeu, ob der gewaltigen Anstrengung der Maltratirung der vorhergehenden Worte! 5. B. M. 17, 8. כי יפלא ממך דבר למשפט Wenn sich dir etwas zur Entscheidung entzieht (86. so stehst du auf und gehst hinaus zu dem Orte, den Gott, dein Gott erwählen wird). Verfasser schiebt diesem Verse folgenden merkwürdigen Sinn unter (S. 131): ״Wo das Recht verkannt, die Schttld nicht eingestanden, die geschlagenen Wunden nicht geheilt werden, da wird auch nur Zank und Streit in deinen Thoren weilen!" Nun zum Schluß noch einige ganz köstliche Pröbchen: 4. B. M. 25,14. ושם איש ישראל המכה Der Nanie dcS erschlagenen (36. von Pineas) 9israel-Manncs (war Simri, Sohn Salus). Diese sintplen Worte dienen dem Verfasser zu folgenden! AuSruf (S. 151): ״Denn auch diese vierzigjährige Wanderung durch die Wüste war für Israel eine Lehrzeit.. tu der es lernen sollte, der heiligsten Tugend und Sittlichkeit sich zu weihen, so daß ושם איש ישראל המוכה, ob auch Israel von Menschen und vom Schicksal geschlagen, angefeindet und verfolgt wird, so ist doch Jeder stolz darauf, daß er den glorreichen Namen Israels tragt re. rc.!" Ferner ibid. 18. ״ כזבי בת נשיא מדיןDie midjanirische Fürstmtochtcr Kojbi" heißt nach Verfasser (S. 152): ״Daß ihr cö erkennt, daß die Lüge stets nur die Tochter des Fürsten des Zanks und des Streits sei." 5. A. M. 22, 15. את בתי נתתי לאיש הזה (Der Vater dcS Mädchens, gegen welches der Mann eine gerichtliche Anklage wegen Ehebruch im אר.יפה- Stande erhoben, sagt vor dein Gerichte): Meine Tochter habe ich diesem Manne zur Frau gegeben re. Vcrfasscr ruft aus (S. 152): ״Daß der Herr gesprochen את בתי נתתי לאיש Meine HimmclStochter, die Thora, habe ich dem Menschen gegeben, um Frieden und Persöhnung in der Welt zu stiften, und lucitic» Friedensbund in der Welt wieder.zu errichten!" Wir haben im VorauSgchcuden einfach die vcrschiedenen Schrift stellen in ihren! wirklichen Sinne und dem ihnen vom Verfasser bcigelcgtcn einander gegenüber gestellt, indem wir es für überflüssig hielten, noch einen besonderen Kommentar zu jeder einzelnen Entstellung hinzuzufügen. Der einsichtige Leser wird aus dem einfachen Vergleiche ersehen, in welch arger, nngeheucrlicher, thcilwcise sogar alberner und lächerlicher Weise das Schriftwort verdreht wird. Angesichts der angeführten Thatsachcn fragen wir nun ernstlich: Kann durch derartige sogenannte SchriftauSlegungcn das Versländniß für die Worte unserer heiligen Bücher geweckt werden, durch SchriftauSlcgnngen, die sammt und sonders die Worte aus den! Zusammenhänge reißen, sie thcilwcise verdrehen, thcilwcise sogar gerade in entgegengesetztem Sinne anwenden?. Muß sich nicht jeder verständige Zuhörer resp. Leser beim Vergleiche der Worte, wie sie wirklich gerncint sind, mit dem Sinne, den der Verfasser in dieselben hincinlcgt, sagen: Entweder ist der Prediger ein Textvcrdrehcr, oder das Bibelwort ist derartig beschaffen, daß man cS nach Belieben drehen und wenden kann? Die uothwcndige Folge ist: entweder Mißachtung vor dem berufenen Verkünder und Lehrer des GottesworteS, oder sogar Mißachtung der

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