Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1886)
- Article
- Prediger-Verirrungen [Rezension]
- Date
- 1886-12-30
- Page
- 821 (sequence 2)
- Language
- German
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821 1. B. M. 1,2. ורוח א׳ מרחפת על פני המים und ein GottcSodem über den Wassern (86. der einst unklaren und ungeschiedenen Erde) schwebend. — Perf aff er bringt diesen Vers in folgender Deutung (S. 2): ״Ohne sie (86. die Liebe) wäre das Dasein ein trauriges und trostloses, ohne sie wäre die Eide, so wie sic einst war, wüst, leer und finster — '1ורוח א' 1ם, nur die Liebe webt und bildet, formt, wirkt und schasst das Band, das die menschliche Gesellschaft umschlingt." — 1. B. M. 7,11. ביום הזה נבקעו כל מעינוח תהום ריח וארנות השמים נפתחו. An diesem Tage wurden alle Quellen der großen Flnth anfgcrissen und die Schleusen des Himmels geöffnet" — Verfasser intcrpretirt (S. 6): ״Au diesem Tage der Offenbarung öffneten sich für uns alle Liefen Quellen der Wahrheit und der Liebe, und alle HimmclSpforten der Erkenntnis; haben sich uns erschlossen!" — welch tragi-komischcr Gegensatz dieser Interpretation mit dem wahren Sinne! — limi. 14, 17. אל עמק שוד. הוא עמק המלך (sc. der König von Sodom geht dem Abraham) in das Thal Schawe, das ist das KöuigSlhal, entgegen. — Lcrfasser giebt folgende Erklärung: ״Denn kommen wird die Zeit, wo endlich der SodomSsürst die Sünde und daS Unrecht mit all seinen finstern Mächten, die er in seinem Gefolge hat, anlaugcn wird in dem Thal * der Gleichberechtigung und der Gleichheit aller Menschen vor dein Gesetze, das ist daS KönigSthal der Offenbarung, von dem alles Recht, alle Liebe und aller Frieden auSgeht." ibid. 29, 2. בי מ; הבאר ההוא ישקו העדרים Denn anö diesem Brunnen wollten sie (die armcnisehen Hirten) die Herden tränken. Verfasser erklärt (S. 27): ״Anö diesem. Quell haben alle gebildeten (!!) Nationen der Wett (Amn. d. dies.: wozu also nothwendig auch die Armenier gehören) ihren Durst nach Wahrheit und Tugend gestillt und befriedigt." Seite 64 wendet der Verfasser die Worte Jecheskel ואשמע אחרי קול רעש גדול folgendermaßen an: ״und das Geräusch und Getöse der feindlichen (!) Welt ist verhallt und verklungen für immer." Sollte Verfasser in der That vergessen haben, daß jene קול nichts weniger als feindlich war, daß sie daS lauteste und höchste Äckcnntniß der Allmacht GotteS — ברוך בבור ה' ממקומו bildet? — 2. B. M. 21, 11. ויצאה הנם אין בסף sic (die von ihrem Vater als Magd ev. zur Ehegattin vcrlauste Tochter) geht umsonst hinaus (aus ihrem Dienststand), ohue Entgelt. Der Verfasser übersetzt (S. 67): ״Und die Seele deö Menschen kehrt ohne alle Erdengütcr in ihr Vaterhaus zurück, mtd der Reichthum folgt ihr nicht ins Grab." — Seite 69 bringt der Verfasser den Vers 1° B. M. 42, 11, wo die Brüder sich den! Joseph gegenüber auswciscn: .בלגו בגי איש אחד נהנו כנים אנהנו ״Und Alle, Söhne eines ManncS sind wir; rechtliche Menschen sind wir" — in folgendem Sinne: ״Und nur wenn wir uns Alle als Kinder eines alllicbcnden Vaters betrachten, dann werden wir auch von Recht, Wahrheit und Liebe ganz erfüllt und durchdrungen sein." DaS folgende Zitat, ist eines der schrecklichsten Textvcrdrchuugeii, die ich je gehört: Verfasser wendet nämlich das Gesetz 2. B. M. 22, 28 ״ ,מלאתך ודמעך לא תאחרvon deiner Ackerfülle und deiner Traubenprcsse sollst du die Spenden nicht verschieben" — mau höre und staune — folgendermaßen (S. 70) an: מלאתך״ dein liebevolles Herz, daS du im Gebete vor Gott auSschüttest, ודמעך und deine Thrünen, die du vor ihm vergießt, לא האחר die werden niemals ohne Erfolg und Wirkung bleiben!" Dieser Interpretation steht die folgende geradezu haarsträubende würdig zur Seite. ES heißt nämlich 2. V. M. 28, 5 והם יקהו את הזהב ואת התכלת ואת ״ .הארגמן ואתת ולעת השני ואת הששSie (die es vcrstehen) sollen das Gold, die himmelblaue, die Purpurwolle x. in Empfang nehmen (um den Ephod deS Hohenpriesters daraus zu verfertigen)." Verfasser intcrpretirt in folgender geistvoller Weise (S. 87): ״So viele Religionen der Welt auch im Laufe der Zeit entftanben sind, die Menschen haben sie erfunden und sie sind wieder aus der Mitte der Menschen entschwundcn, die 'Macht und der Sturm der Zeit hat sie zerstört und vernichtet:והם יקהו הזהב התכלת.והארגמן, sie h a b e 11 ihne n all ihre n Glanz geraubt und entrissen." 3. B. M. 14, 35. בנגע נראה לי בבית (der Hausbesitzer soll, wenn er einen AuSsatz-Schaden an seinem Hanse bemerkt, kommen und dem Priester berichten) ״als ob ein Schaden an! Hause sei, scheint mir!" Verfasser benutzt diesen Vers in folgender Weise (S. 103) ״Und als endlich über Israel die Strafe der Vcrbannung und der Auswanderung aus dem heiligen Lande und seine Zerstreutiug in der großen Völkerwüste verhängt wurde, hat der Herr gesprochen: ״ בנגע נראה לי בביתEin furchtbarer Schaden ist an dem Hanse Israel sichtbar!" — Wo ist da auch nur der geringste Zusammenhang mit dem Wortsinne der betreffenden Stelle? 3. B. M. 13, 45. וטמא ממא יקרא (Jeder Aussätzige aber, an wetchenr der Schaden haftet, dessen Kleider sollen cingcrissen sein, sein Kops soll ungeschoren sein, bis über den Lippenbart soll er sich verhüllen) und ״unrein!" ״unrein!" soll er rufen. Verfasser übersetzt (S. 112): ״Nur der Unreine nennt Andere unrein!"