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Jeschurun · 1886-11-04 · Heft 44 (4.11.1886) · p. 690

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 44 (4.11.1886)
Article
Der Abrahamssegen
Date
1886-11-04
Page
690 (sequence 2)
Language
German
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690 werben. Wir könnten deshalb im Hinblicke auf dieser vor sechSnnddrcißig Jahrhunderten uns gewordenen Verheißung ruhig der Verachtung und Anfeindung gcgenüberstehen, in dem erhebenden Bewußtsein, daß der allweise Vater der Menschheit uns eines hervorragenden Platzes in den Reihen der Menschengruppen gewürdigt, welcher uns nicht streitig gemacht werden kann. Und ebenso könnten wir ans dieser Verheißung die trostreiche Zuversicht schöpscn, daß trotz des Absolls und der Untreue in unserem eigensten Kreise, dennoch durch den abrahamitischen Stamm die große herrliche Bestimmung, für welche er berufen ist, ihre Erfüllung finden wird. Um so kräftiger ist der Trost, um so beglückender die Erhebung, da die Vergangenheit und Gegenwart dennoch in überwältigender Beweiskraft sichtbares Zeugniß ab legen für die Wahrhaftigkeit jener Verheißung. Die ganze Weltgeschichte seit sechsunddreißig Jahr- Hunderten bezeichnet doch nichts Anderes, als die langsam aber stetig reifende Verwirklichung dieser gvttlichcn Verheißung. Wie auch immer die Menschengescllschast sich sträubt, die von dem abrahamitischen Stamme verkündete ewige Wahrheit zur Grundlage ihrer Gestaltung ׳anzunehmen, wie sie auch immer aufs Neue versucht, das Heil und die Wohlfahrt auf andere Prinzipien zu gründen, als auf das hier proklamirte, sie vermag es doch nicht, sich der Erkcnntniß ganz zu entziehen, daß nur auf der Bahn, welche Abraham gewandelt, das wahre Glück und der wahre Frieden allein zu finden ist. Weit über den engen Kreis der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs hinaus wird der Name Abraham und sein Beispiel als das Ideal dcS ächten MenschthnmS, als das Ideal von Tugend und Gesittung verehrt. Die beiden mächtigen Institutionen, welche auf dein Grunde jüdischer Wahrheilen sich ausbauen, das Christenthum lind der Islam, erblicken in Abraham die höchste Vollendung der Tugend. In der Kirche wird er als das Urbild dcS Glaubens ausgestellt, in der Mosche!) als der Chaiil-Aüah, als der Freund Gottes. Die Menschheit ist doch von der Ahnung erfüllt, daß mit ArahamS Eintritt in die Geschichte die endliche Gestaltung aller menschcngcsellschaftlichcn Verhältnisse זו ad) dem Maßstabe der wahren Gerechtigkeit angcbahnt worden, צדק יקראהו לרנלו, und damit das Gottcsreich aus Erden, die Wiederkehr des Paradieses, seiner Verwirklichung näher gerückt ist. Unaufhaltsam reift die Entwickelung der Menschheit diesem Ziele entgegen, unaufhaltsam ringt das Abrahamsvolk sich zu der Höhe empor, die seiner hehren, den Segen der Menschheit bedingenden Aufgabe geziemt. Das Ideal der vollendetsten Hingebung an dieselbe, wie es in seines großen Ahns erhabenem VorbUb von dem Gipfel des Moria leuchtet, ist von ihm noch nicht erreicht worden. Es hat noch immer an seiner Vervollkommnung zu arbeiten, und unausgesetzt wirkt die erziehende Hand Gottes an der Erhebung und Läuterung seines Wesens. Erst wenn seine Erziehung vollendet sein wird, wird auch sein Pensum gelöst sein, erst dann werden ״alle Familien des Erdbodens" des vollen Segens wieder theilhaftig, welchen der allgütige Vater der Menschheit seinen Kindern bestimmt. Diese Erziehung Israels ist der lange schwere Gang, den es unter Seufzen und Thronen, unter Hohn und Druck zn wandern hat, um überall hin die Saat für das Heil der Zukunft in den Acker der Menschheit auszustrenen. Mag eS diesen Acker mit seinen Thränen und seincm'Btute stets wiederum und wiederum zu tränken haben, die Gottessaat geht doch einst ans, und deren ersten Keime sind doch bereits dem Auge des erfahrenen Säers sichtbar. ״ .ואעשך לנוי!;חלIch will dich zu einem großen Volke machen," lautet der erste Satz der ersten Verheißung, die dem Ahn für sein Volk geworden. (*א״ר ברכיה אתגך ואשימך אי; כתיב כאן אלא ואעשך משאני• עושה אותך כריה הדשה את פרח ורכה. Auch Abram mußte erst für die seinem Leben bestimmte Aufgabe erzogen werden, mußte erst durch die Er- Ziehung Gottes zur der Stufe sittlicher Vollkommenheit und geistiger Größe geführt werden, daß er der Bestimmung seines hieniedigen Daseins zn entsprechen fähig ward. Nicht אתנך, wicht אשימך, bemerkt der weise Erklärer, heißt es im GotteSwort, sondern אעשך. Nicht auf der Stufe, die du im Augenblicke einnimmst, nicht wie du jetzt erscheinst, bist du zu der Aufgabe geschickt, die ich dir übertrage. Ich muß dich erst erziehen und bilden, muß dein ganzes Wesen umgestalten und läutern, daß du als eine Neuschöpfung erscheinst, du mnstt erst von einem Abram ein Abraham werden, erst dann wirst du fähig und würdig, den ersten sichtbaren Keim für den Weltenscgen zu schassen, den ich unauflöslich mit deinem Namen verknüpfe. Erst dann wird der erste Sproß des großen Volkes, dessen Ahn du werden sollst, ins Dasein treten können. Wenn cs bei Abraham ״ עשרה גסיונותzehn Prüfungen" bedurfte, bis er den höchsten Anforderungen genügte, welche Gott an ihn, welche Golt an seine Nachkommen, welche Gott an alle Menschen stellt, bis Gott über ihn - aussprechen konnte 'בי נשבעתי נאם ר :כי יען אשר עשית ובו׳ ״Bei mir habe Ich geschworen, spricht Gott, daß. weil du dieses vollbracht, und hast mir deinen Sohn, deinen einzigen Sohn, nicht vorenthalten — werde ich unbedingt dich segnen, .בראשית ובא ל״ט (*

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