Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 42-43 (28.10.1886)
- Article
- Festesrückblick
- Date
- 1886-10-28
- Page
- 666 (sequence 2)
- Language
- German
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666 zusammensinden sotten, sind מקראי קדש, Berufungen zum Hciligthum. Und wir haben diesem Ruf Gottes freudig Folge zu leisten und uns bei Ihm einzusinden und haben unsere Feste als solche von Gott eingesetzte Zusannnenknuft-Bcstimmungszeiteu zu verkünden: אשר תקראו אתם במועדם. Unsere Feste sind darum חגים, die uns anfsordern, einen ״Kreis" zu bilden, der keinen andern Mittelpunkt als Gott hat. Wie damals, als Gott uns seiner Offenbarung gewürdigt und unseren Händen sein Kleinod, das Gottesgesctz, überantwortet hatte, und wir vom Chorcb aufbrechcn sollten zum Zuge in das verheißene Land, die heilige Lade des Gesetzes der Mittelpunkt für die Stammcsgruppen Israels für alle ihre Züge bilden sollte, also sott für alle Zeiten, für alle Züge, die Israel durch Zeit und Raum zu tvaudcrn hat, das GotteSgesetz sein nimmer zu verrückender einziger Mittelpunkt bleiben. Die Bedeutung unserer Feste ist keine andere, als uns immer wieder in die rechte Stellung zu diesen! Mittelpunkt bringen, und uns in dieser Stellung zu befestigen. Wenn die ernste Mahnung des .ersten Tischri und des zehnten Tischri an uns nicht spurlos vorübergegangen ist, wenn wir Gott als unfern einzigen Herrn und Vater erkannt und begriffen und sein Gnadengeschenk der wieder gewährten Reinheit empfangen haben, dann hatte die mit dein fünfzehnten Tischri anhcbende Woche uns die große erhabene Lehre von der nimmer versiegenden Freudigkeit eines Daseins zu bringen, welches sich im Angesicht Gottes, in! Kreise des Gottesgesetzes vollzieht. Wir lernten mit dem Lulaw die ewig unvergäugliche Freude mit den Gütern der Erde vor Gott gewinnen, wir lernten in der Snckah die ewig unvergängliche Freude in dem Bewußtsein des Gottesschutzcö gewinnen, lernten, wie der Sterbliche in den vergänglichen Gaben der Erde die höchste Freude, in der zerbrechlichen dachlosen Hütte die seligste Befriedigung des GotteSvertrauens erlangen könnte. In dem Suckoth-Fcstopfer war das ניפוך תמים das Wassergußopfer die Proklamiruug der die Mensch« heit von allein Jammer erlösenden Lehre, daß nicht in den besonders ausgezeichneten Augenblicken des hicniedigen Daseins allein die segnende und beglückende Waltung Gottes sich kundgebe und zur Freude lade, sondern daß in bcm ganz gewöhnlichen Leben, in jeglichem Augenblicke des Lebens sich Seine liebende Vorsehung und gnadenreiche Huld offenbare und jeder Tropfen Wasser, der den Acker tränkt, ein Herold unseres allliebenden, attmächligcu Vaters sei, daß der Mensch somit in jedem Momente seines Daseins zu seinem Schöpfer auszublicken habe und in diesem Aufblicke die Heiterkeit der Seele gewinne. "וחיית אך שמח, auf daß Du nur freudig bleibest" lautet das Ziel der Suckothfeier, lautet die Mahnung, die das Suckothfest uns mit ins werkthätige Leben hinausgiebt, והיית אך שמח ist dir Devise, welche unserem ganzen Dasein ausgeprägt sein will. Zur Befestigung dieser Lehre von der Lebensfreudigkeit reiht sich dem Suckothseste unnlittelbar das Azercth-Fest an, das Fest des ״Verharrens". Alle die erhebenden Wahrheiten und zur Freude und Gottesbegeisterung anregenden Momente des SnckothfesteS sollen noch einmal in dem Ernste des ersten Tischri von uns erfaßt werden. Die Symbole des Festes legen wir aus den Händen, verlassen die Hütte und kehren in unser gewöhnliches Haus zurück. Da mahnt uns das Azerethfest zur Einkehr und Sammlung, bevor wir den ersten Schritt in das Alltagsleben des Jahres nach der Festes- Woche thun, daß wir nun auch festholten und uns bewahren, was daö Fest uns bringen wollte: die Freude des Lebens vor Gott, das unerschütterliche Vertrauen auf Gott, die nimmer zu verlierende Nähe Gottes. Ehedem, da noch Israel im eigenen Lande ein eigenes Staatswesen bildete, wanderte das in dem Umkreis des Hciligthums auf Zion zur Festesfeicr vereinte Volk am Tage nach dem Azarcthseste heim zu seinen Acckern und Weinbergen. Seitdem aber Israel, in alle Winde zersprengt, nicht mehr hinanfwatten kann zu diesem Heiligthum, und dieses in Trümmer liegt, vermögen die einzelnen Glieder des Gottesvolkes nur im Geiste sich mit den Brüdern allesammt um das GotteSgesetz zu einem großen Kreise zu schaarcn, um sich als der einheitliche Kreis von Gottcödienern zu fühlen. Die Weisheit seiner Führer haben es darum gelehrt, von dem das Jahr einleitenden FestzykluS nicht zu scheiden, ohne diesem Bewußtsein einen besonders kräftigen Ausdruck zu verleihen und eS in der Brust eines jeden einzelnen Gliedes dieses großen, einen bedeutenden Theil des Erdballs umfassenden Kreises zu beleben und zu befestigen. Der zweite Tag des Azerethfestes, שמחת תורה, ist zu dem höchsten Frendentage des Hauses Jakob geworden. Nicht mit den Gütern der Erde, mit der Thora im Arme steht Israel an diesem Tage vor seinem Gotte und jauchzt Ihm den Schwur der Treue in jubelnder Begeisterung zu. בגיל ונשיש בזאת התורה schallt es über die weite Erde hin, überall, wo die zerstreuten Glieder Israels eine Stätte gefunden. ״Mit dem Gottesgesetze freuen wir uns, in ihm finden wir unsere Wonne," בי היא לגו עוז ואורה• Es ist unsere Allem obsiegende Kraft, cs ist das Licht unseres Geistes, das Licht unseres Gemüthes, es ist der unerschöpfliche, nimmer versiegende Born unserer Seligkeit hieniedcn, unserer Seligkeit im Jenseits. ״ תורה היא עץ חייםEs ist der Baum des Lebens,״ der nimmer welkt, der stets Früchte trägt, in dessen