Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 42-43 (28.10.1886)
- Article
- Festesrückblick
- Date
- 1886-10-28
- Page
- 667 (sequence 3)
- Language
- German
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667 Schatten wir uns bergen. הלא באחבתו בחר בנו. Ein Gnadengeschenk der Liebe des alLgütigen Vaters der Menschheit ist es, daß Er gerade uns erkoren zum Träger Seiner Offenbarung, zum Herold Seines Gesetzes. So jauchzet und jubelt Israel und kostet Paradiesesseligkeit in dem Besitze des Gottesgesetzes, in dem erhebendem Bewußtsein, zur Erfüllung desselben berufen zu sein. Dieser Jubel, diese Wonne geleitet uns in das alltägliche Leben und tönt durch dasselbe in nimmer erlahmender Mächtigkeit, so wir deren Quelle in unseren Häusern eine Stätte anweisen, so wir sie zu einem Heiligthum gestalten, das der Verwirklichung des Gottesgcsctzes geweiht ist, so wir alle unsere Kräfte, unser ganzes Wesen in den Dienst des Gottesgesetzes stellen. Ewige Freude weilt dann in unseren Hütten, erfüllt unser Herz und durchdringt jeden Moment unseres Daseins. Dann bewahrheitet sich an uns der Segen der Festcszclt: לחיים ולשלום לשטחה ולששון. Das rllhhimsrhe IudcntlM und dir sszkle Mimg. II. (Schluß). Dr. Heß sah sich veranlaßt in Folge dieser Darstcllung der Beziehungen des orthodoxen JudenthumS zur sozialen Bildung am 19. April 1853 in einer Beilage zum Frankfurter Jntelligenzblatt Nr. 92 aus seiner Anonymität herauszutrcten, und sich als Vcrfasser jenes Angriffs auf die eben ins Leben getretene Schule und das durch dieselbe zu pflegende Prinzip zu nennen. Er versuchte zugleich, in dieser Kundgebung unter dem Titel ״Das pharisäische Judcnthum und das soziale Leben", die Lehren und Gesetze des tradirten JudenthumS in den Augen des großen Publikums lächerlich zu machen, und bekannte sich als förmlichen Apostaten der jüdischen Religion. Ja, er rühmte sich in diesem Aufsatze, daß er zu diesem Bruche mit dem alten Judcnthume als Leiter und Lehrer der jüdischen Realschule eine ganze Generation erzogen -habe. Darauf erschien als Beilage zum Frankfmter Jntelligenzblatt Nr. 95 am 22. April 1653 eine Klarstellung Seitens des Rabbiner Hirsch, unter dem Titel ״Das rabbinische Judenthum und der Herr vr. Heß", welche wir hier folgen lassen. Der Schleier der Anonymität ist gefallen, Herr Vr. Heß, Oberlehrer an der hiesigen israelitischen Gemeindcschule, hat sich genannt, hat sich offen als Feind des rabbinischen Jndenthums, als Feind unserer jüngst ins Leben getretenen Schule bekannt, hat offen sein GlaubenSbekenntniß abgelegt — demgegenüber haben wir in der That hiermit ein letztes Wort. Von der ersten Stunde, da mich das nachsichtsvolle Vertrauen ״der kleinen Heerde", wie der Herr Doktor uns nennt, hierher berief, hatte ich eS klar als meinen einzigen Beruf erkannt und bekannt, das Prinzip des unvcrkümmcrten väterlichen Glaubens, für welches der kleine Kreis mit so vielem Ernst, mit so vieler Hingebung sich erhoben, in der Mitte dieses Kreises anfzubauen, nicht aber durch feindseliges Bekämpfen - der entgegenstehenden Richtung den bejammcruswerthen Riß der Gemüther noch klaffender zu gestalten. Wie vornehm auch der Herr Doktor auf diese kleine Heerde und ihr Bestreben niederblickt, er wird sie doch nicht durch seine Leidenschaftlichkeit durch seinen Fanatisnius, durch seine Jmoleranz zu gleicher leidenschastlich-fanatischer Intoleranz hervorstacheln. Nicht seine Persönlichkeit, nicht seine Juvektiven, nicht seine Expektorationen — seine Stellung in der Gemeinde ist der Schirm, der ihn vor unserer küns- Ligen Erwiderung schützen wird. Wir überlassen ihm die traurige Fertigkeit, mit dem Munde ״die volle Berechtigung der pharisäischrabbinischen Partei auzuerkenucn, ihre Glaubeusausichten geltend zu machen, ihre Jugend in denselben zu erziehen, ihren Gottesdienst nach denselben zu gestalten" und dieses Bckcnntniß doch in der That durch ganz uuprovozirte, ausfallende Feindseligkeit Lügen zu strafen. Wie sollen wir von ihm, unserm kleinen ungebildeten, finstern Häuflein gegenüber, eine größere, redlichere Konsequenz erwarten, als er seinem Gotte und seinem Glauben gegenüber an den Tag legt! Und dies GlaubenSbekenntniß selbst, das er nun unverhüllt gegeben, ist der zweite nicht!ninder starke Schirm, der ihn schützt. In unseren ersten Worten, zur Verständigung, hatten wir hmgewicscn, welch eine große Lüge eS sei, wenn man dem unkundigen Publikum vorspicgele, ״Moses und die Propheten" selbst hätten kein anderes Judcnthmngekannt, als das in der Anschauung des Herrn Doktors von allem positiven Gehalte verfluchtigte Judeuthum, haben darauf hiugewiescn. wie man unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den verschrieencn NabbiniSmuS in der That ״MoscS und die Propheten" verleugnet. Der entschleierte Anonymus sucht sich zu retten. Er wisse wohl, daß Moses und die Propheten, daß die Bibel ein solches Judenthum lehren, allein er sehe die Bibel mit dem Auge deS kritischen Blickes und der Nesormgelüste an. — Und dein kritischen Auge mit der für Reform geschliffenen Brille und dem laxen, biegsainen Gewissen sei ja Alles möglich.