Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Die wahre teschuva
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 626 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933194-2967232--23101-2967292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
626 Sinne begreifen lassen, so daß ein ganzes Geschlecht dasteht, welches von der Wiege bis zum Grabe sich in einem einzigen großen Jrrthume bewegt, dessen זדונות wirkliche שגגות sind und zwar solche שאינם להם ידיעת לא בתהלת ולא בסוף. Diesem Geschlecht ist niemals das Indent hum zum Bewußtsein gebracht worden. Seine Lehrer haben es um die Kenntuiß seiner Pflicht betrogen, seine Prediger haben ihm hohle Phrasen und leeren Pomp als Quintessenz des Judenthums gereicht, und seine Rabbiner sind ihm mit einem das jüdische Pflichtgebot und den Geist des Judenthums in That und Gesinnung verleugnenden Beispiel vorangewandelt. Unser Geschlecht ist kein entartetes. Es wirken in ihm noch die Tugenden seiner Ahnen fort. Die drei Kardinaleigenschaflen, welche die Söhne seines großen Urvaters Abraham als solche kennzeichnen sollen: Barmherzigkeit, Sittlichkeit und thätige Menschenliebe werden ihm selbst von seinen erbittertsten Feinden zugesprochen. Aber es ist von seinen Führern mißleitet. Würden diese ihrer hohen Aufgabe, Lehrer, Verather und Leiter des Gotteövolkes zu sein, so gewachsen sein, wie sie leider zu einem großen Theile, entweder in bewnßtcm Abfall oder aus eigener Unfähigkeit oder Unwisscnheit, derselben nicht gewachsen sind, eS könnte gerade in der Gegenwart aus diesem Geschlechte ein großes, herrliches Zeitalter des Judenthums erblühen, in welchem für die Förderung des Gottesrciches auf Erden und der mesfia ui scheu Heilcszukunft Bedeutendes gewirkt würde. So aber wird es in Jrrthnm untergehen und nur ein עשירית, ein sich Gott ganz weihender und seiner besonderen jüdischen Aufgabe voll bewnßter Brnchtheil derselben erhalten bleiben. Gewiß wäre eS eine Vermessenheit. wollte ein Stanbgcborencr seinem schwachen Worte die Kraft zutrauen, die Lüge zu überwinden und der Wahrheit Eingang und Anerkennung im Kreise seiner Zeitgenossen zu verschaffen. Es kann Keiner einer solchen vcrwegcneu Selbstüberhebung ferner stehen als wir, die wir uns glücklich preisen würden, der Gnade gewürdigt zu sein, auch nur einer einzigen Menschenseele eine einzige Wahrheit so überzeugend näher gebracht zu haben, daß sie zum lebendigen Ausdruck gelangte. Aber wenn das öffentlich gesprochene oder geschriebene Wort nicht zum Fluche werden soll, so hat es sich ganz und rückhaltlos in den Dienst der Wahrheit zu stellen. Und darun! wiederholen wir uachdrücklichst: Thoren, welche in dieser Manifeslirnng deS ״religiösen Gefühls״ eine dem Judenthnm dargebrachte Huldigung erblicken und in den gefüllten Tempeln der Nosch-Haschana- und Jom-Kippur- Tage, au welchen selbst die ״Elite der Gesellschaft" dem Gotteshanse eine AnstandSvisite abzustatten pflegt, einen Sieg des Judenthums bejubeln! Da kommen sie seil Jahren au diesen Tagen und vernehmen den Schofarhall und feiern den Jom-Kippur, und es wird in ihnen nicht ein einziges Mal die Wahrheit lebendig, daß sie durch die Mißachtung der Gebote das Judenthums im Leben außerhalb des Tempelraumes und der Fcsteszeit sich gegen Gott versündigen. Es ist ihnen, niemals zun! Bewußtsein gebracht worden, daß der Tempelbesuch und der Gottesdienst durch Gebet von sehr problematischem Werthe seien, wenn man es verschmäht, Gottes Gesetzen auch tharsächlich Gehorsam zu leisten. Ja. es ist ihnen niemals — und das ist der xnnetnm saliens in der traurigen Gestaltung unserer inneren Zustände — klar geworden, daß den Geboten des Judenthums wirklich für jeden von einer jüdischen Mutter Geborenen verpflichtende Kraft innewohne und daß sich kein solcher zu irgend einer-Zeit von der Pflicht des unverbrüchlichen Gehorsams gegen dieselben zu befreien vermöge, — daß das Jndenthunl kein oeralteteS und seine Geltung eingebüßtes Gesetz sei, sondern vielmehr für alle Zeiten und für alle Juden ausnahmsloS von Gott geboten sei. In diesem Jahre folgte unmittelbar auf Nosch- Haschana der Sabbath. Wie viele Derjenigen, welche am Nosch-Haschana die Schaar der ״Andächtigen" in der Synagoge bildeten, haben nicht ohne Gewissensskrupel diesen Sabbath sofort durch von Gott verbotene Arbeit entweiht? Ja, wie viele dieser ..frommen und von jüdischem Geiste Getragenen" haben nicht die Festtasel zu Ehren des Nosch-Haschana mit von Gott znm Genüsse verbotenen Speisen besetzt? So tics gesunken und entartet ist kein Mensch, daß er cs wagen möchte, in bcm Gedanken an Gott und zu Ehren Gottes eine von Gott verbotene Handlung zu votlfnhren. Nur die vollendetste Unkenntniß von dem Willen Gottes kann eine solche Handlung erklären. Und Angesichts einer solchen totalen Unkenntniß möchten wir an alle Rabbiner, Prediger und Lehrer, sowie an Alle, welche in Wort und Schrift zur Belehrung des Volkes beitragen wollen, die ernste Frage richten: Thut ihr eure Pflicht, wenn ihr die Wahrheit verschweigt, wenn ihr das Volk in Unklarheit laßt über das allererste Gebot dcö Judenthums. die Gesetze desselben in That und Gesinnung zu vollsührcn? Betrügt ihr das arme Volk nicht, wenn cs am Nosch-Haschana und Jom-Kippnr kommt und eurer Belehrung und Ermahnung lauschen will, wenn. ihr ihm gerade dasjenige vorenthaltet, was des Festes wahre Bedeutung und Aufgabe ist: den Menschen zu Gott und seiner Pflicht zurückzuführen und ihm den Weg zu Gott und die Bahn seiner Pflicht zu zeigen? Und darum wagen wir eS auch, Angesichts des hohen Tages der Sühnungen darauf hinzuweisen, wie auch dieser Tag, die Feier dieses Tages, mit Nichten בסרה und סהרה, Abwendung der Folge der Sünden und die erneute Verleihung der Fähigkeit zu allem Guten