Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1886)
- Article
- Die wahre teschuva
- Date
- 1886-10-07
- Page
- 627 (sequence 3)
- Language
- German
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627 und Gott Wohlgefälligen, unS bringt, wenn wir ihn nicht in der von Gott gewollten Gesinnung begehen. Und stünden wir von Abend zu Abend ununterbrochen in heißer Andacht im Gotteshause und entsagten jeglicher leiblicher Genüsse, so wäre unser Gebet, unser Feiern und Fasten nichtig, wenn unsere Seele der Wahrheit verschlossen bliebe, daß Gott von uuS Gehorsam seiner Gebote verlangt, daß wir verlassen den Pfad des Gott Mißfälligen, und daß zu diesem von Gottes heiligen Willen Verpönten anch die Arbeit am Sabbath, auch der Genuß von Fleisch- und Milch Mischung und nicht nach bestimmter Auswahl und Vorkehrung zubereitecr Nahrung, auch die Bekleidung des Körpers mit aus Wolle und Flachs gemischten Geweben, auch die Entfernung des Barthaars durch Anwendung des ScheermcsserS u. s. w. u. s. w. gehören. האומר אחטא ואשוב אחטא ואשוב אין מספיקין בידו לעשות תשובה אחטא ויום הבפורים מבפר אין יום הבפורים מכפר (Jona 85.) ״Wer denkt: ich sündige, aber werde תשובת thun, ich sündige, aber werde .,תשובת thun, dem ist die Fähigkeit zur תשובת benommen, — ich sündige, Jam- Kippur wird Sühne bringen, dem bringt Jom-Kippur nicht Sühne."- תשובת ohne ודרי uud חרטה ist uujüdisch, Heidnisch. Unsere תשובת heißt nicht Buße, sondern ״Rückkehr", Rückkehr zu der Treue und Gehorsam gegen Gottes Gebot. Ihr muß ודרי und חרטת voraufgehen, ״Erkcuntuiß und Bekcuutnrß" der gebrochenen Treue, des geübten Ungehorsams und der ernste, aufrichtige und wahrhaftige Entschluß, welcher aus dem ticfinnersten Gefühl der ״Neue" über den geübten Ungehorsam entspringt. Derjenige aber, welcher in Frevelmuth oder Unwissenheit bei Uebertretung des Gottesgebots wähnt. GotlcS Zorn durch eine spätere, billige, sogenannte Reue abweuden zu können, oder glaubt. Verzeihung durch die Feier des Jom-Kippur, Ablaß dafür za erlangen, um dann anfS Neue Gott ungehorsam sein zu können, der verkennt so sehr die einzig wahre Bedeutung des hehren Tages uud ist so sehr der reinen jüdischen Lehre entfremdet und in heidnischer Anschauung versunken, daß er sich gar nicht zu der Höhe des jüdischen Bewußtseins zu erheben vermag. Er ist unfähig zur ächten תשובת, er vermag den יום הבפורים nicht in dem Geiste des JttdenthumS zu begehen, und darum ringt er sich nimmer zur טהרה empor und erlangt nimmer בפרה. Die reine jüdische Gottcölehre hat nichts gemein mit heidnischem Irrwahn. DaS Judcnthum legt Ver- Wahrung ein gegen das gedankenlose und frevelhafte Spiel, welches man selbst mit seiner erhabenen Lehre von der בפרה uud seiner Institution des Jom-Kippur zu treiben sich nicht scheut. Sic ruft den^, Menschen לפגי ד׳ vor das Angesicht des allsehcnden, allwissenden, allliebenden Gottes hin, dem offenbar sind des Herzengeheimste Regungen, und nur vor seinem Angesichte erlangt der irrende und fehlende Sterbliche die verlorcne Reinheit wieder. Acchte aufrichtige תשובת, auf וידיי und חרטה sich erbauend, ist das einzige Mittel zur Erlangung der Gnade und Verzeihung Gottes.בי ביום הזה יבב ר עליכם לטהר אתבם לפגי ר' תטהרו. Du der SelhflerkreniüH zur Ach md Vergebung. Betrachtung von Ludwig A. Nosenthal,׳ Rabbiner zu Nogasen. דורש אמרי דעת הונן הדעת האומר שובה הרוצה כמוך k ״ בתשובה ומוהל ופולח המרבה לסלוח מיDer du uuS Lehren der Weisheit verkündet hast, du kannst uns mit Selbsterkeuntniß begnadigen; der du nuS zur Rückkehr mahnst, du hast Wohlgefallen an unserer Buße; Verzeihender, Vergebender, der du viel verzeihst — wer ist allmächtig gleich dir!" Diese Worte hat einer unserer gottesdienstlichen Dichter dem heutigen Tage geweiht; auf unser tägliches Gebet hat er sie begründet, als wenn er zeigen wollte, daß der wahre Israelit täglich sich selbst zur Besserung anz,!regen, nicht allein auf die Eindrücke dieses Festes zu baue» hat. Bringen wir dem zehnten Tischri nun ernstere Empfindungen entgegen, als jedem anderen Tage, so fragen wir uns beim Beginne des Vcrsöhnungsgottesdicustcs: Wie gelangen wir zum Bewußtsein der vielen uns anhaftenden Mängel, wie kann er uns zum ernsten Entschlüsse der Besserung führen? Wie wird also der Gedanke unserer Versöhnung mit Gott fruchtbar für die Vervollkommnung dcS Jsraclitcnthums und des Mcnschenthums in unserem Innern? ״ רורש אמרי רעת הוגן הרעתDer du uns Lehren der Weisheit verkündet hast, du kannst uns mit Selbstcrkenntniß begnadigen." Damit erinnert uns das Festgebet au jenen ersten Wunsch des Israeliten in der Tcphilla: .אתה הוגן לאדם דעת ומלמד לאנש ביגר הננו מאתך דעה בו׳ " Der du deu Menschen mit Erkenutniß begnadigst, der du den Erdcnsohn Einsicht lehrst — schenke uns Vernunft!" Staunen wir darüber, daß, nachdem der Schöpfer uuS Gaben des Geistes verliehen, wir von ihm noch eine ganz besondere Erkeuntniß uns erstehen? Allerdings, der Schöpfer hat dem Erdcnsohne gewisse allgemeine Gaben der Dcnkkraft verliehen, die von Tag zu Tag an ihm mehr zur Eutfaltung kommcu. ES ist darum kein hervorragendes menschliches Perdienst, wenn das zarte Kind allmälig sein Auge öffnet, wenn es zur Freude der Ettern bald nicht mehr ver-