Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1886)
- Article
- Die Zedern des Libanon
- Date
- 1886-09-02
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Den Durchmesser des unteren TheileS der Baumkrone schätze ich auf 50 Schritte. Solcher alten, besonders starken Bäume giebt es sieben. Wenn dieselben nicht einen so bedeutenden Eindruck auf den Beschauer machen, als dieser, von dem Hohen Alter und großen Stärke der Bäume unterrichtet, erwartet, so liegt dies daran, Laß die Stamme nur eine mäßige Höhe erreichen und überdies schon zwei bis vier Meter über dem Boden sich verästeln. Dieselbe Erscheinung, welche bei der Anialientanne (Al)ies Kegiime Amaliae, Iieldreich.) in Griechenland vorkommt, und welche ich an einer Fichte im Wildgarten zu Doppclbnrg, bei Teplitz in Böhmen, im Herbste 1879 beobachtete, habe ich auch an der Zeder wahrgenommen. Aus zwei rechtwinkelig vom Stamme abstehenden Aesten war je ein junger Stamm etwa 7—8 m. hoch kerzengerade emporgewachsen. Der Baum mit diesen Astsprößlingm gehört zu den sieben stärksten und mißt in Brusthöhe 9,58 m. im Umfange. Alte Zapfen habe ich nicht einen einzigen zu sehen bekommen, weder an den Bäumen, noch am Boden. Dagegen fand ich einige Bäume, welche wenige Tage vor meiner Ankunft in Blüte gestanden haben mußten. Die von mir vorgenommene Zählung der Stämme ergab die Zahl 397. Davon waren 24 unterdrückte, deren keiner mehr als 7 m. Höhe und in Brusthöhe 1)0 cm. Stärke hatte. Außerdem war es bei 6 Stammen, von denen je zwei so dicht bei einander standen, daß sie sich berührten und einen Meter und mehr über dem Boden an der Äcrührungsstelle znsammengewachsen waren, zweifelhaft, ob sie sechs oder nur drei selbstständige Bäume darstellten. Nehme ich letzteres an und ziehe ich außerdem von der Ziffer 397 die 24 unterdrückten ab, so stellt sich die Zahl der herrschenden Zcderstämmc ans 370. Oie Frage, ob die Zahl der Zedern bei Bscherre im Laufe der letzten Jahrhunderte zu-- oder abgenommen habe, ist im Allgemeinen zu Gunsten der Zunahme zu entscheiden. Der Arzt und Botaniker Rauwolff, welcher im Jahre 1573 die Zedern zählte, fand nur 24, während der Reisende Bnrkhardt im Jahre 1810 300 kleine, 50 mittelgroße und 25 sehr große, im ganzen also 375 zählte. Fast die gleiche Zahl ergab eine Auszählung, welche der Stuttgarter Geologe FraaS mit seinen Begleitern int Jahre 1874 vornahm. Da meine Ermittclnug einschließlich der unterdrückten Stamme und Zwiestinge 397 Stämme ergab, so ist für die letzten 300 Jahre eine wesentliche Zunahme festzustellen und für das lausende. Jahrhundert nur bei Hinweglassung der 24 unterdrückten Stamme eine nicht nennenSwcrthe Abnahme. Leicht wäre eS jetzt, wo sammtliche Zedern, mit Ausnahme von acht, mit einer Mauer umgeben sind. die von der Mauer umschlossenen Fläche, welche gegenwärrig nur bis zur Hälfte mit Zedern bestockt ist, völlig zu besameu und das Zedernwäldcheu zu schützen, zu pflegen und ordentlich zu behandeln. Man brauchte nur. da im Orient hierzu geeignete Personen fehlen, einen tüchtigen deutschen Waldaufsehec anznstellen und ihm im Zedernwäldcheu eine Wohnung zu errichten. Die Thore wärm dann zu verschließen und die Schlüssel dem Aufseher mit dem Aufträge zttr Verwahrung zu übergeben, nur zum Eintritte befugte Personen, insbesondere auch fremde Besucher, einzulassen. Eine regetrechte Verjüngung des Waldes auf natürlichem oder künstlichem Wege ist erst dann möglich, nicht gegenwärtig, weil aller Nachwuchs, jede Kultur, von Weidevieh (Ziegen, Schafen, Rindvieh), welches durch die dermalen stets offenen Thore in das Wäldchen gelangt, vertilgt wird. Ich habe am Boden des Wäldchens zwar viele einjährige Pflanzen, aber keine mehrjährige gefunden. Außer für Herstellung einer Wohnung für den Wald» anst'eher wären besondere Geldmittel zur Verwirklichung meines Vorschlages, nicht flüssig zu machen. Der Gehalt des Aufsehers kann leicht aus dem Ertrage des ZedernwaldeS bestritten werden. Abgesehen von den sieben ganz alten starken Zedern könnten die übrigen dann allmählich zur Fällung gelangen. Nehmen wir einen 70-jährigen, pläuterweiseu Umtrieb für das Wäldchen an, so könnten jährlich 5 größere Bäume benutzt werden. Für eine Zeder im Gewicht von nur 2000 Kgr, erhält man im Zedernwalde leicht 400 Mark, wahrscheinlich aber mehr; denn in Beirut zahlt man jetzt schon etwa 80 Mark für 200 Ocka (ä 1,282 Kgr.) zedernes Ast- Holz. Der Erlös für fünf Bäume bezifferte sich sonach mindestens ans 2000 Mark. Dazu kqme der Ertrag ans dem Samen. Mit wachsendem Umfange dcS Waldes und zunehmender Vollkommenheit , der Bestände würden sich die Erträge noch namhaft erhöhen, so daß die Bestellung eines WaldansscherS auch vom blofen finanziellen Gesichtspunkte aus rathsam erscheint. Vielleicht gelänge eS dann auch, bei Anwendung wcideausschließeiidcr Maßnahmen, das sterile Weideland außerhalb der Mauer im weiteren Umkreise des Zedern- Wäldchens mit Zedern wieder zu bestocken und zunächst ein Revier, weiterhin ganz große Zedernwaldgebiete herzustellen und so vom Zedernwalde bei Bscherre aus nach und nach die dermaligen öde und nackt daliegenden Theile des Libanons wieder zu bewalden, was sich nicht blos vom forstsinanziellen, klimatischen und ästhetischen, sondern ganz besonders auch vom (andivirthschaftlichen Gesichtspunkte eutpsehleu würde, weil die Fruchtbarkeit, insbesondere der Quellen- und Wasserreichthum des Libanongebietes, der Gekaa und des OrsneSthaleS dann unzweifelhaft bedeutend zunehmen würde. Zur Erreichung dieses Zieles halte ich. indes den