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Jeschurun · 1886-08-19 · Heft 33 (19.8.1886) · p. 514

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 33 (19.8.1886)
Article
Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
Date
1886-08-19
Page
514 (sequence 2)
Language
German
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514 angezweifelt werden können. Wir weisen beispielsweise auf die von ihn! veranlaßte Ausarbeitung eines NormalplanS für den Religionsunterricht hin, in welchem alle von der Reform als antiquirt betrachteten und nicht beachteten Stetten des Pentateuchs ausfallcu. Oder, von einer neueren That des Bundes zu reden, auf die Herausgabe einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden, deren erste Nummer eine Arbeit über Mendelssohn enthält, welche, wie dieses in dieser Wochenschrift nachgewiesen, entschieden für die Reform Propaganda zu rnachen bestrebt ist. Juden! wir dieses schreiben, gehen uns die allerneuesten ״Mittheilungen vom deutsch.israelitischen Gemeiudcbunde", hcransgegeben vom Ausschuß desselben, Nr. 16, d. d. 1. August d. I., zu. durch welche alles Dasjenige bestätigt wird, was wir hier entwickelt haben. Der erste Artikel dieser offiziellen ״Miltheilungen" ist dem Andenken des verstorbenen Dr. Honigina n n gewidmet, welcher den Bund mitbcgründct hat. Von ihm wird gerühmt, daß er ״ein begeisterter Bekenner und Förderer des JudenthumS" gewesen, daß in ״seiner Liebe zum Judenthum wie in einem Brennpunkte sich alle Strahlen seines idealen Wirkens sammelten." Seine Wirksamkeit für die ״innere Entwickelung des Judcnthumö" sei sehr wichtig und nachhaltig, — kurz, der deutsch-israelitische Gemcindebund erblickt in dem Verstorbenen das Ideal eines ״treuen Juden". Herr vr. Honigmann war aber nichts anderes als ein begeisterter Anhänger und Vertreter der Neforni, von dem derselbe Vorstand des deutsch-israelitischen GemcindebundcS rühmend hervorhebt, daß er ״schon als Student in Breslau zu Dr. Abraham Geiger in bleibende Beziehung trat 1111b sich lebhaft an dessen reformatorischen Bestrebungen betheiligte", daß er ״seine vorwärts gerichteten Anschauungen" lebhaft verfocht, daß er ״für die fortschreitende Bewegung innerhalb des Judenthums ein reges Interesse bethätigte und in diesem Sinne eine große Anzahl Aussätze für die Zeitschrift ״Der Israelit" (von Dr. Heß) geliefert hat." Nun fragen wir offen und bitter! alle Betheilig.- ten, sich diese Frage ehrlich zu beantworten: Ist das hier verherrlichte Leben und Wirken eines Mannes, ״des Juden .Honigmann", wie -der Vorstand deö deutsch-israelitischen Gemeindebundes emphatisch hervorhebt, der den Standpunkt eines Geiger und eines Heß zeitlebens einnimmt und in dem Geiste der Reform lebt und schafft, eines ManneS, den die offizielle Vertretung von mehr als dreihundert jüdischen Gemcinden hier als das Ideal eines ״treuen Juden" ansührt, — nicht ein Leben und Wirken, welches von dem gesetzeStrcuen Judenthum als eine bektagcnSwerthe Verirrung betrauert werden muß? Hat nicht der orthodoxe Jude die Bestrebungen eines Honigmann zu perhorresziren, weil er in ihnen die Forderung des am Allerheiligsten geübten VerrathS erblickt? Die Herren Ausschußmitglieder des deutschisraelitischen Gemeindebundes werden als Ehrenmänner im bürgerlichen Leben nicht in Abrede zu nehmen gewillt sein, daß sie dein orthodoxen Judenthum mindestens fremd, wenn nicht feindlich gesinnt sind. (Schluß folgt.) Das ״Deutsche Adelsirlatt", ״den Interessen deö deutschen Adels beider Konfessionen gewidmet", bringt in seinen Nrn. 27, 28 und 29 unter dem Titel ״Der deutsche Edelmann und das geadelte Judenthum" eine Abhandlung zum Abdruck, welche den ״Kampf gegen den Semitismus" aus dem ״Klcinbürgerstcmd" in ein anderes, höheres ״Kriegstheater" tragen will. Diese würdigere, höhere Wahlstatt ist durch den Titel genügend gekennzeichnet. Ich muß bemerken, daß ich mich in keiner Weise gedrungen fühle, als Anwalt ״der Interessen deS deutscher! Adels mosaischer Konfession", welche von den! gedachten Adelsorgan nicht wahrgenommen werden, in die Arena zu treten. Ich bin nicht Mitglied des deutschen Adels — weder desjenigen christlicher, noch desjenigen mosaischer Konfession —, unterhalte auch keinerlei Beziehungen zu demselben und zähle vielmehr bescheiden zu den Millionen, welche nach den ״Obersten Zehntansenden" kommen. Ich bin nur ein simpler Schriftsteller, der ganz gewiß keine Aussicht hat, jemals in die Reihen der Aristokratie einzutreten. So bestimmt ich versichern kann, nicht dem ״geadelten Judenthum" anzugehören, ebenso bestimmt aber mache ich ans die Ehre der Zugehörigkeit zum Judcnthnm Anspruch. Da aber das ״Deutsche Adelsblatt" sich gegen die Mitglieder deS deutschen Adels jüdischer Konfession nur deshalb wendet, weil sie dem Judenthum zugezählt werden, so dürste auch ein nichtgeadclter Jude lcgitimirt sein, der hochwohlgeborenen Weisheit des Anwalts des deutschen christlichen Adels die Einfalt deS schlichten jüdischen Verstands entgegenzustellc!!. Seit meiner frühesten Jugendzeit habe ich für den Adel besondere Hochachtung empfunden. Eine solche ist mir zur zweiten Natur geworden. ״ In einer deutschen Residenz, unter dem Szepter eines gütigen, ehrwürdigen Fürsten verlebte ich meine ersten Kinderjahre., deren Eindrücke für die Anschauung und Empfindung auch des reiferen Alters maßgebend blieben. Der Fürst erschien mir als der hohe, mächtige Gebieter, als der wirkliche Vater seiner Landeskinder, die braven lobend und belohnend,' die bösen tadelnd und beltrasend. Die Edetleute gatten in meinen Augen

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