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Jeschurun · 1886-06-03 · Heft 22 (3.6.1886) · p. 338

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 22 (3.6.1886)
Article
Die Vollendung des fünfzehnten Nissan
Date
1886-06-03
Page
338 (sequence 2)
Language
German
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888 Walter und Herrscher der Crdwelt, — er, sein sittliches Verhalten, seine Wallung, der von ihm dem Herrn und Meister des Alls bethätigte Gehorsam, das sind die Bedingungen für die Blüthe und den Bestand der Erde. Die - gedeihliche Entwickelung der Erdwelt ist unabweisbar an die Gott dienende Thätigkeit des Menschen geknüpft. Kündigt dieser Gott die Treue, so verkümmert die Erde. Die erste Auflehnung des Menschen gegen das Gebot Gottes scheuchte das Eden von der Erde, die sittliche Entartung des MenschengeschlechtS ließ die Ftuth der Vernichtung über die Erde Hereinbrechen. Einen Menschen hatte Gott sich später erkoren, da auch die Nachkommen des zweiten Adam. Noach, Gottes vergaßen und ihr Verhältniß zu Ihm und zu der Welt verkannten, da sie nicht im Namen Gottes und in Seinem Dienste die Erde verwalteten, sondern in selbstvergötterndem Wahne sich als unumschränkte Herrscher fühlten und in der Verherrlichung der Menschen׳- macht und Menschengröße das höchste Ideal erblickten, — einen Mann, der Gott allein die Ehre gab und des reinen Menschenbernfs eingedenk geblieben war. Und dieser Mann, Abraham, sollte zu einem Volke werden, imb diesem Volke sollte das Priesteramt der Menschheit übertragen werden, daß es den Namen Gottes ihr verkünde und Seine alleinige Herrschaft, daß die Menschen allesammt Ihm wiederum Gehorsam zollen und sich lediglich als Vollstrecker Seines heiligen Willens begreifen, daß alsdann die Erde wiederum zu einem Eden sich gestalte, in welchem alle irdischen Verhältnisse die Blüthe und das Gedeihen erlangen, die Gott in Seiner Allliebe einen! Jeglichen bestimmt hat, in welchem kein Jammer und kein Elend, keine getäuschte Hoffnung und keine Thräne, weil kein Unrecht und keine Missethat zu finden sein werden. Für dieses Priester- und HeroldSamt sollte die Nachkommenschaft Abrahams erlogen und vorbereitet werden. Sie sollte darum an sich selber das ganze Elend erfahren, welches der von Gott sich abwendende Mensch über die Welt bringt, sollte die ganze Fülle des Unglücks kennen lernen, das der Mißbrauch der Menscheumacht im Gefolge führt, und sie sollte ihren Eintritt als Volk in den Kreis der Nationen als einen neuen Schöpfungöakt des Erschaffers der Welt begreifen. Darum ward den Nachkommen Abrahams Alles ge-׳- nommen, was des Menschen Dasein zu einem Menschenwürdigen gestaltet: Freiheit, Ehre, Besitz. Als aber des Tyrannen Fuß dem am Boden sich krümmenden Sklaven den Todesstoß zu versetzen im Begriffe war, da offenbarte sich Gott in seiner ganzen Allmacht und schuf ans den Sklaven Aegyptens ein freies Volk. Wie die Schöpfung des Menschen am sechsten Tage ein unmittelbare^ Gottcswerk, ebenso war die Schöpfung Israels das Produkt des unmittelbarsten SchöpfcrwortS. Israel ist ein neuer Adam, für dessen Schöpfung die ganzen vorangegangenen trüben Jahr- Hunderte die Vorbereitung bilden, wie der sechste Tag, der יום דדששי, der vorauögegangenen SchöpfnngSwerke abschließendes Ziel gewesen. Mit dem sechsten Tage war der Herold Gottes an die Erdwelt in diese eingeführt, mit dem fünfzehnten Nissan trat das znm Gottesboten an die Menschenwclt bestimmte Israel ins Dasein. Der fünfzehnte Nissan war ein zweiter יום חששי. Der Erste gab der Erdschöpfnng den zur Verwirklichung des göttlichen Schöpfungswerks bestimintcu Adam, der Zweite gab der Menschheit das zur Verkündigung dcö Gotteswittens berufene Priestervolk. Mit der Schaffung des Adam war aber nur der Mittler vorhanden für die Gestaltung der Erdwelt nach dem Willen ihres Schöpfers, und dieser Mittler ist vom Schöpfer mit einem Hauch des göttlichen Odem begnadet worden, der ihn zu dem einzig freien unsterblichen Wesen in der Welt!nacht, welches aus freiem, sittlichem Entschlüsse, dem göttlichen Gesetze sich beugend und Gottes Herrschaft über sich anerkennend, seine ganze Kraft und Thütigkeit ausschließlich in der Vollstreckung des Willens seines Herrn bewährt, das aber auch die Fähigkeit des Widerstandes besitzt und dem Willen seines Herrn sich zu widersetzen vermag. Darum war mit der Schaffung deö Menschen am sechsten Tage nur die Bedingung für die Verwirklichung des göttlichen Schöpfungszwecks gegeben. Von der treuen, der freien, sittlichen Entschließung des Menschen anheinigestcllten Vollführung deö göttlichen Willens war noch immer dessen Verwirklichung bedingt, und eö hingen Bestand und Entwickelung der Erdwelt davon ab, ob der Mensch seiner Aufgabe gerecht werden würde. Und er ward ihr nicht gerecht, er mißbrauchte die ihm beschiedene Freiheit. Darum erkenntder Blick des Weisen in dem Heranbrechen jenes hehren sechsten TagcS deö Monats Siwan, an welchem Israel der Entgegennahme des göttlichen Gesetzes für seinen Priesterberuf gewürdigt werden sollte, die Gewähr für die endliche Wiedergewinnung des am sechsten Tage der Weltschöpfung in die Welt cingctretenen Menschen und damit für den dauernden Bestand und die gedeihliche Entwickelung der Erdschöpfungen überhaupt. Der sechste SchSpfungstag findet seine Vollendung in dem sechsten Siwan. Würde Israel nicht in freier Entschließung an ihm sich zur!Übernahme deö pricsterlichen Amtes für die Menschheit erklärt haben, indem es sein unsterbliches געשה ונשמע Gott entgegenjubelte, so wäre der Bestand der Erdschöpfungen in Frage gestellt. Die freiwillige Huldigung an! Sinai, die getreue Befolgung des göttlichen Rechts, verbürgt der Welt die endliche Heileszukunft. Um dieser willen, die durch Israels

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