Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 15-16 (15.4.1886)
- Article
- Die vier Entwicklungsstufen Israels
- Date
- 1886-04-15
- Page
- 227 (sequence 3)
- Language
- German
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227 losigkeit ist bf1\S so wild errungene hohe Gut wieder aus lauge Zeiten verschwunden. So sollte cS nicht mit Israel geschehen. Bald mußten unsere Vorfahren ihre Freiheit dem nachfolgenden Acgypter und dem vor ihnen flutheudeu Meere abtrotzen, sie mußten den Werth der freiheitlichen Stellung des Menschen erkennen, der Wunsch der Rückkehr nach Aegypten sollte in ihrer Mitte verstummen, — wir sehen denn auch nach jahrzehntelangem Umherwandern in der Wüste ein neue#, krüftiges Geschlecht heranwachsen, welches in der Freiheit geboren ist, welches das Sklavenbrot nicht mehr gekannt hat, welchem die Selbständigkeit schon znm Gebens׳ bedürsnisfe geworden ist, und das sich nie vor einem Sklavenanfseher gebeugt hat. Damm erzählt uns das Halle! auch von dieser Wanderung Israels, darntn folgt dem zweiten Becher des Pcßachabends, der diese Entwicklnngsstnsc Israels darznstellen seheint, auch der Genus; des Mazzabrotes 11nb des Vitterkrautes. Hat Israel diese Steife erreicht, ist ihm der rechte sreiheitliche Sinit zu eigen gervorden, so wird es die Freiheit lieben, selbst wenn sie verbunden ist mit dem ,,Brote des Elends". Selbst wenn man des Bittern, des Maror, in dieser israelitisehen Selbständigkeit so viel zu kosten hat, wird man die gewonnene Selbstbestimmung nicht mehr fortwerfen, lind sollte das Brot der Sklaverei auch noch so viel des Angenehmen bieten. Dann genießt der Israelit seine Speise, er spricht den Segen über den Ertrag seiner Arbeit, der Arbeit, die er als freier Mann verrichtet und deren er sich freut. Raehdem der dritte Becher dem Tischgebete gefolgt ist, besinden!vir uns bei der Andeutung des Zeitraumes, der mit den Worten וגאלתי אתכם בזרוע נטויה ובשפטים גדולים bezeichnet wird: ״Ich werde Euch erlösen mit ausgestrecktem Arme und mit großen Strafgerichten." Unsere Weisen sahen hierin den weiteren Pfad Israels durch die Geschichte angedeutet, aus welchem der Einige es erziehen will, daß der gewonnene Selbstständigkeitssinn Israels sich nur den von Gott zugewiesenen Zielen znwende. beider giebt sich hier die hin- und herschwankende Treue.Israels kund. Nach dem Tode der großen Führer Moses und Iosna regen sich in ihm Gegner des Gesetzes, — Thora oder Baalsdienst! lauten die Losnngöworte, und der Ewige muß thatsächiich mit ״ausgestrecktcm Arme und großen Strafgerichten" sein Volk von diesem seinen mißverstandenen Freiheilsbegrisfe erlösen. Die tanaanitischen Völker bilden die Geißel der Richterzeit. Einer kurzen gemeinsamen Vliithe folgt die Theil'nng des Reiches. Israel geht, da es sich durch die Gottesboten nicht von seinen Thorheiten erlösen lassen will, an seinem unbotmäßigen Selbstgefühle zu Grunde, Inda kann bem göttlichen Befreier nur durch den Sturz des Tempels und des Staates erhalten werden. Ein zweites Staatsleben geht wieder an der Uebertreibung freiheltlichen -Sonderbewnßtseins zn Grunde, und in der zweiten Verbannung soll Israel noch durch das Mitempfinden aller geschichtlichen Weehselfülle den Pfad zur wahren Freiheit, zur israelitischen Selbständigkeit finden. Wir haben diesen Becher noch nicht geleert, und noch manche Prüfungen ziehen an uns vorüber. Ist es ein Znsall, daß in der Hagada nun der zweite Theil des Hallet folgt? Da wird von dem Kampfe Israels gegen das ohnmächtige und doch so mächtige Götzenthnm gesprochen, wie sich Priester, Leviten, Israeliten und alle Gottesfürchtigen der Erde zur Ausbreitung der GotteSauerkennnng zu vereinen haben. In Todesbanden wendet Israel sich zum Ewigen, dann erst, nachdem es von dem Tode befreit, nachdem sein Fuß vor dem Sturze gertttet ist, begreift sich das Volk wieder als Diener (Lottes, der heilige Gelübde dem Ewigen zu erfüllen hat. Indem Israel den Mnth hat, dies offen anszusprcchen, wird ihm die Erinnerung an daS vergangene Leid zum begeisterten Jubel über den Sieg Gottes. Es kommt zur freudigen tteberzengnng, daß es nie sterben kann, da es der Verkünder des Reiches und der Herrschast Gottes ist. Bei dem vierten Becher, erinnern wir uns im Sinne nuferer Weisen an den Schluß jener göttlichen Verheißung ולקחתי אהבם לי ״ .לעם והייתי לבם לאלקיםIch werde Euch endlich dauernd zn meinem Volke machen, ich -werde Euch znm Gotte sein,•וידעתם כי אני ה׳ המוציא אהבם טתהת ״ ״ סבלות מצריםund Ihr werdet erkennen, daß ich der Einige bin, der Euch den Lastarbeilen Egyptens entführt hat." Ein wahres Volk deS Ewigen sein, heißt den Einigen wahrhaft znm Gotte haben, heißt stets durchdrangen sein von der hohen Erinnerung au jene egyptische Befreiung, stets sich von dem Bewußtsein erfüllen lassen, daß wir ihm ganz augehören, daß wir unser ganzes Thun ihm zu weihen und durch ein pslichtmäßiges Leben Ihm den Dank für unser Dasein, daß ausschließlich sein Werk ist, abzustatten haben. Diesem Ziele haben!vir durch alle Wcchselsälle der Geschichte entgegenznsteneru. Wir werden cs erreichen, wir werden endlich Ihm ganz augehören und unser ganzes Wirken auf Erden der Verwirklichung der GotteSziele weihen. Geht nicht diesenr בוס רביעי das ״große Hallet" voran, in welchem wir die ewige göttliche Gnade und seine wunderbare Führung in allen Ereignissen anerkennen? Ist nicht das נשמת Gebet nach 1(ל. Iochanan's Worten, der Nachklang jc!1cv’l)cr1*Iid)cn Danklieder, und wird darin nicht all unsern Kräften, dem Geiste wie dem.Körper, der thatkrästige Dank für jene Befreiung und die ihr folgenden Wohlthaten entschieden zur Pflicht gemacht? Was zeigt uns jenes ,ויהי בחצי הלילה, jenes ואמרתם זבה פסה anders, als das geläuterte Israel der Zukunst, wie es seine Vergangenheit von der grauesten Vorzeit her überschaut.